PORTRÄT FANNY ARDANT : „Renato Curcio ist für mich ein Held“

Die Schauspielerin Fanny Ardant ist von konservativen und rechten italienischen Politikern aufgefordert wurde, den eben eröffneten 75. Filmfestspielen von Venedig fernzubleiben. Sie soll den früheren Brigadisten Renato Curcio als "Held“ bezeichnet haben.

Peter von Becker

Man stelle sich vor, Senta Berger oder Hannelore Elsner würden eine Liebeserklärung an Andreas Bader und die RAF abgeben. Kurz vor ihremAuftritt bei der Berlinale. Nun hat die französische Filmschauspielerin Fanny Ardant ungefähr das gleiche gesagt und getan. In der italienischen Frauenzeitschrift „A“ wie „Anna“ ist Ardant bei einem Interview offenbar ins Schwärmen geraten und hat zuviel „B“ gesagt. Denn sie bekannte ihre Begeisterung für die Terrorgruppe der Roten Brigaden. Für jene „Brigate Rosse“, die einst Polizisten und gewöhnliche Bürger in die Knie und oder in den Kopf geschossen und im Jahr 1978 auch den italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro in Rom entführt und ermordet haben. Dabei soll Ardant vor allem den früheren Brigadisten Renato Curcio als „Held“ bezeichnet haben, weil der sich nicht wie so viele radikale Achtundsechziger in Frankreich zu einem Geschäftemacher gewandelt habe.

Curcio war in den 70er Jahren einer der Begründer der Brigate Rosse. Und für die 58-jährige Fanny Ardant, einst Muse und Frau des früh verstorbenen Regisseurs Francois Truffaut, waren diese Jahre jenseits des irregeleiteten Terrors auch Hoffnungsjahre der Veränderung. Das versucht sie nun zu erklären, nachdem sie von konservativen und rechten italienischen Politikern aufgefordert wurde, den eben eröffneten 75. Filmfestspielen von Venedig fernzubleiben. Fanny Ardant wird dort als Hauptdarstellerin des italienischen Wettbewerbsbeitrag „L’ Ora di Punta“ („Rush Hour“) als einer der Festivalstars erwartet.

Venedigs Bürgermeister, der Frauenfreund und Philosoph Massimo Cacciari, hieß die schöne Französin dagegen ausdrücklich willkommen. Cacciari kennt den Hintergrund der Pariser Künstler- und Intellektuellenszene, in deren Cafés und Salons sich zahlreiche der von Ardant offensichtlich verabscheuten exradikalen Wendehälse tummeln; außerdem hatte Frankreich unter anderem dem früheren Rotbrigadisten Cesare Battisti politisches Asyl gewährt. Selbst der Vorsitzende der italienischen Polizeigewerkschaft mochte Ardant nicht von den Filmfestspielen ausgeladen sehen. Die Schauspielerin solle die Zeit in Venedig vielmehr dazu nutzen, einmal mit Hinterbliebenen der Opfer ihres Helden Renato Curcio sprechen. Inzwischen aber hat sich die im Film so wunderbar kluge und unwiderstehlich charmante Fanny schon bei den Italienern entschuldigt. Irrtum einer Künstlerin. Peter von Becker

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