PORTRÄT FAREED ZAKARIA US-STARKOLUMNIST: : „Ich will internationale Storys“

Diese Personalie rüttelt die US-Medienlandschaft auf: Fareed Zakaria, bekanntester Kolumnist beim Wochenmagazin „Newsweek“, verlässt das Blatt und heuert beim direkten Konkurrenten „Time“ an.

Lars Halter

Für „Newsweek“ ist das auch deshalb schlimm, weil sich in den letzten Wochen bereits drei andere prominente Autoren verabschiedet haben, darunter der Chefredakteur.

Dieser „brain drain“ dürfte das Ende der ewigen Nummer zwei unter den amerikanischen Nachrichtenmagazinen einläuten: Erst vor wenigen Wochen war „Newsweek“ von dem Audio-Pionier und Multimillionär Sidney Harman gekauft worden. Der hatte der bisherigen Muttergesellschaft „Washington Post“ einen symbolischen Dollar gezahlt – mehr dürfte das Blatt nach dem Talentsterben in der Redaktion auch nicht mehr wert sein.

Mit Fareed Zakaria verliert „Newsweek“ – und gewinnt „Time“ – einen der wichtigsten amerikanischen Kolumnisten. Der 46-Jährige, der in Indien aufwuchs, während seiner Studienzeit in die USA ging und umgehend an der Prestige-Uni Yale Karriere machte, ist dank seiner auf internationale Themen fokussierten CNN-Show „Fareed Zakaria GPS“ eines der bekanntesten Gesichter im politischen Medienbetrieb.

Geschätzt ist er vor allem für seine durchdachten Kommentare, die beide Seiten der Debatte hinterfragen. In der politisch oft einseitigen amerikanischen Medienlandschaft hebt sich Zakaria ab. Es gibt wenige Journalisten, die abwechselnd und immer wieder als liberal, konservativ und moderat beschrieben werden. Zakaria selbst sieht sich als „Zentrist“, und er scheut sich nicht, sein Land zu kritisieren oder einzuordnen.

Als Buchautor hat Zakaria mit „The Post-American World“ für Furore gesorgt, in dem er die Politik einer Zeit erklärt, in der die USA nicht mehr die vorherrschende Weltmacht sind, sondern in der China, Indien, Brasilien und andere Mächte zunehmend an Bedeutung gewinnen. In einem Land, in dem Patriotismus oft überzogen und verblendet ist, und in dem die breite Masse von internationalen Themen nichts weiß und wissen will, war das eine mutige Aktion.

Mit seiner Meinung wird Zakaria künftig nicht nur „Time“ bereichern. Die Muttergesellschaft Time Warner, zu der auch der Nachrichtensender CNN gehört, plant weitere Formate mit dem Kolumnisten, den man intern bereits den „größten öffentlichen Intellektuellen unserer Zeit“ nennt. Lars Halter

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