• PORTRÄT FARUK AL SCHARAA SYRISCHER VIZEPRÄSIDENT:: „Ich hoffe auf einen Übergang“

PORTRÄT FARUK AL SCHARAA SYRISCHER VIZEPRÄSIDENT: : „Ich hoffe auf einen Übergang“

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Manchmal kann es für einen arabischen Politiker unangenehm oder sogar gefährlich sein, für ein Spitzenamt im Gespräch zu sein. Faruk al Scharaa, zurzeit Vizepräsident von Syrien, ist von der Türkei als möglicher Chef einer Übergangsregierung nach einem Rücktritt von Staatschef Baschar al Assad in Damaskus ins Spiel gebracht worden. Vertreter der syrischen Opposition haben positiv auf den Vorschlag reagiert. Was Scharaa selbst darüber denkt, ist nicht bekannt – der 73-jährige ist von Assad kaltgestellt worden. Ihm werden schon seit langem Fluchtgedanken nachgesagt.

Gemessen am Ziel des Arabischen Frühlings, einen Bruch mit alten Regimen und Herrschaftseliten zu erzwingen, wäre Scharaa ein bemerkenswerter Kandidat für das Amt eines Übergangspräsidenten. Seine Karriere begann vor fast 40 Jahren unter Assads Vater Hafez, der den Berufsdiplomaten 1984 zum Außenminister Syriens machte. Scharaa blieb mehr als 20 Jahre lang auf diesem Posten, bevor er 2006 von dem jüngeren Assad, der das Präsidentenamt inzwischen geerbt hatte, zum Vizepräsidenten berufen wurde.

Scharaa ist ein sunnitischer Muslim, im Gegensatz zu den meisten anderen Mitgliedern der syrischen Elite, die zumeist aus Alawiten besteht. Als im vergangenen Jahr die Unruhen begannen, zeigte Scharaa wesentlich mehr Verständnis für die Forderungen der Opposition als andere Regierungsmitglieder. „Ich hoffe auf einen Übergang zu einer pluralistischen Demokratie“, sagte er damals.

Möglicherweise fiel Scharaa wegen dieser Haltung in Ungnade. Es gibt Hinweise darauf, dass der Vizepräsident mit dem Regime gebrochen hat. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sagte kürzlich, Scharaa habe versucht, aus Syrien zu fliehen, sei aber gescheitert. Erst vor kurzem verlor Assad seinen Ministerpräsidenten Riad Hidschab, der sich mit seiner Familie nach Jordanien absetzte.

Für syrische Oppositionsvertreter wäre Scharaa tragbar, weil er offenbar keine Rolle bei der gewaltsamen Unterdrückung des Aufstandes gespielt hat. Allerdings wäre es nicht einfach, einen Machtverzicht Assads und Scharaas Ernennung zum Übergangspräsidenten durchzusetzen. Die bloße Tatsache, dass Scharaa öffentlich als Chef einer Übergangsregierung gehandelt wird, könnte alle Chancen auf eine solche Variante zunichtemachen. Denn Assad zeigt nach wie vor keinerlei Neigung, die Macht aufzugeben.Thomas Seibert

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