• PORTRÄT FEDERICO FRANCO PRÄSIDENT VON PARAGUAY:: „Meine Lage ist nicht ganz einfach“

PORTRÄT FEDERICO FRANCO PRÄSIDENT VON PARAGUAY: : „Meine Lage ist nicht ganz einfach“

Sandra Weis
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Er ist eine imposante Erscheinung, Paraguays neuer Präsident Federico Franco: 1,80 groß, kräftig, sonore Stimme, gelernter Chirurg und Kardiologe. Dass Ärzte in dem südamerikanischen Land Politiker werden, ist nicht ungewohnt. In der Politik mitzumischen ist dort Teil des Geschäftslebens. So entstammt auch der 49-Jährige einer Familie, in der es Tradition ist, gleichzeitig das Stethoskop anzulegen und auf der Politbühne aufzutreten. Der Familie gehört ein angesehenes Privathospital in Fernando de la Mora, nahe der Hauptstadt Asunción.

Aktiv war schon sein Vater in der Radikal-Authentischen Liberalen Partei (PLRA), die 1887 gegründet wurde und bald von den liberalen Idealen der Aufklärung Abstand nahm und im Verbund mit der Kirche und den Militärs nach der Macht strebte. Während der Diktatur von Alfredo Strössner leisteten viele Liberale Widerstand und wurden verfolgt oder mussten ins Exil fliehen.

Seit der Rückkehr zur Demokratie 1989 normalisierte sich das Parteileben. Inzwischen gelten die Liberalen als ebenso opportunistisch und korrupt wie ihr traditioneller Gegenspieler, die Colorados. Franco, der mit 14 Jahren in die Partei eintrat, ist der erste liberale Präsident seit dem Sturz von Eusebio Ayala vor 76 Jahren.

Franco blickt auf eine Karriere als Gemeinderat, Bürgermeister und Gouverneur zurück. Er gilt als charismatischer Machtmensch, ist katholisch und konservativ. Eigentlich strebte der vierfache Familienvater schon 2008 nach der Präsidentschaft; seine Partei aber beschloss die Allianz mit Bischof Fernando Lugo, und Franco beugte sich. Von Anfang an jedoch kam es zu Spannungen mit dem progressiven Lugo. „Er hat mich ignoriert“, sagt der frischgebackene Präsident. Die PLRA, die 65 Prozent innerhalb der Regierungskoalition stellte, hieß weder Lugos Landreform gut noch die Allianz mit dem linkspopulistischen venezolanischen Staatschef Hugo Chávez. In seiner gleichzeitigen Funktion als Senatspräsident blockierte Franco in den vergangenen Jahren die Ratifizierung der Aufnahme Venezuelas in den Gemeinsamen Südamerikanischen Markt (Mercosur).

Seine Anhänger verteidigen ihn als aufrichtigen, zupackenden und disziplinierten Politiker. Seine Gegner werfen dem „Clan Franco“ Autoritarismus und Nepotismus vor. Franco sei ein klassischer, lateinamerikanischer Caudillo. Francos Frau ist Abgeordnete, sein Bruder Senator, sein Sohn Richter. Sandra Weiss

0 Kommentare

Neuester Kommentar