PORTRÄT : Felix Neureuther: „Mein Kindheitstraum hat sich erfüllt“

Seine Eltern standen oft auf dem Podest ganz oben: Jetzt steht Felix Neureuther dort auch

Jörg Köhle
319986_0_779e1f11.jpg
Foto: dpaAPA

Vater Christian liefen Tränen aus den Augen, als er seinen Bub im Ziel umarmte. Als ob er es geahnt hätte, dass dies ein ganz besonderer Moment für die Skifahrerfamilie Neureuther und den deutschen alpinen Rennsport werden würde, war er am Wochenende ausnahmsweise zum Rennen seines Sohnes gereist. So durfte er mit Gattin Rosi Mittermaier dabei sein, als Felix mit seinem Sieg beim legendären Slalom von Kitzbühel auf dem Gipfel des alpinen Skisports ankam. Hier, an der Kultstätte des Skisports, wo Christian Neureuther selbst vor 31 Jahren einen seiner größten Siege gefeiert hatte. Hätte es einen besseren Ort für diese Erlösung gegeben?

„Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, jubelte Felix Neureuther. Er stand ganz oben auf dem Podest, als die deutsche Nationalhymne erklang. Er sang sie mit, fast so sicher wie er zuvor am Ganslernhang durch die Tore gefahren war. Es dürfte nicht verwundern, wenn Neureuther nun auch bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver eine gute Rolle spielt. Eine bessere jedenfalls als vor vier Jahren, als er nur per Gnadenakt nach Turin hatte reisen dürfen, dort im Slalom ausschied, „und dann“ – Felix Neureuther hält die Hand auf Hüfthöhe – „als so kleiner Mensch“ heimkehrte.

Seine prominente Herkunft, der Sohn von Christian Neureuther und Rosi Mittermaier, der zweifachen Olympiasiegerin von 1976, zu sein, war für Felix Neureuther stets Fluch und Segen zugleich. Gerne erzählt Christian Neureuther die Geschichte, als Klein-Felix in den 90er Jahren im Auto den italienischen Slalomhelden Alberto Tomba vom heimischen Garmisch zum Münchner Flughafen begleiten durfte – und wie der Bub strahlte, als ihm Tomba Süßigkeiten auf den Rücksitz reichte. Als er dann selbst im Weltcup mitfuhr, war Felix Neureuther ein Star, ehe sich Erfolge eingestellt hatten.

Felix wohnt in Garmisch-Partenkirchen, in der Nähe seiner Eltern, wo die Rosi ihren Sohn mit seiner Leibspeise Dampfnudeln verwöhnt. Der Zollwachtmeister Neureuther musste allerdings auch mit dem Druck fertig werden, immer als großes Versprechen des deutschen Skisports die Berge hinunterzufahren. Dass Felix Neureuther an diesem Druck nicht zerbrach, darf man als große Leistung seine Karriere betrachten.

Der Vater jedenfalls wusste sie zu würdigen. „Das Schönste im Leben sind die Emotionen“, sagte Christian Neureuther, „der erste Kuss, das erste Kind“. Und der erste Sieg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben