• PORTRÄT FERNANDO LUGO NEUER PRÄSIDENT PARAGUAYS:: „Wir haben Geschichte geschrieben“

PORTRÄT FERNANDO LUGO NEUER PRÄSIDENT PARAGUAYS: : „Wir haben Geschichte geschrieben“

Wenige Stunden nach seinem historischen Wahlsieg rief Fernando Lugo die Presse in einem Hotel im Zentrum der paraguayischen Hauptstadt Asuncion zusammen. Es war dem ehemaligen Bischof anzusehen, welche Last von ihm gefallen war. Der befürchtete Wahlbetrug blieb aus.

Philipp Lichterbeck

Nicht nur dass die Paraguayer ihn mit zehn Prozentpunkten Vorsprung auf seine Rivalin unerwartet deutlich zum Präsidenten Paraguays gewählt hatten. Auch der befürchtete Wahlbetrug durch die seit 61 Jahren regierende Colorado-Partei war ausgeblieben. „Vor einigen Monaten hätte niemand zu hoffen gewagt, dass unser Traum sich einmal erfüllt“, rief der sichtlich bewegte Lugo.

Tatsächlich hat Lugo schier Unmögliches vollbracht. Denn die Colorado-Partei hat das Agrarland im Zentrum Südamerikas mit einer gut geschmierten Klientelwirtschaft überzogen. Sie vertritt die Interessen der Oligarchie und kriminalisierte jeden Versuch, sich gegen die aggressiv expandierenden Soja- und Rinderfarmer zu wehren. Ihre Versuche, Lugo in eine Ecke mit linken Guerillas oder dem Sozialisten Hugo Chavez zu stellen, perlten an dem 56-Jährigen jedoch ab. Es gelang ihm, sich den sechs Millionen Paraguayern als Erlöser zu präsentieren. Beweis für seine Integrationskraft war das Schmieden der „Patriotischen Allianz für den Wandel“ aus 29 verschiedenen Gruppierungen.

Fernando Lugo wurde 1951 in der abgelegenen Provinz Itapua geboren. Nach der Schule entschied er sich fürs Priesteramt und missionierte von 1977 bis 1982 Ureinwohner in Ecuador. Politisch geprägt hat ihn die Misshandlung dreier seiner Brüder wegen Widerstands gegen den Diktator Alfredo Stroessner, der Paraguay bis 1989 beherrschte. Lugo selbst wurde zum Anhänger der Befreiungstheologie und ging 1983 ins Exil nach Vatikanstadt, wo man ihn 1994 zum Bischof der Provinz San Pedro ernannte. Weil er sich dort vehement für die Interessen der Landlosen einsetzte, erhielt er den Beinamen „Bischof der Armen“.

Ob Lugo als Präsident allerdings die versprochene Landreform wird durchsetzen können, ist fraglich. Denn im Kongress dominieren weiterhin die Colorados. Schwer dürfte ihm auch der Kampf gegen die Korruption und die gerechtere Verteilung der Gewinne aus dem mit Brasilien betriebenen Wasserkraftwerk Itaipu fallen. Doch noch ist Lugo voller Hoffnung. In der Wahlnacht ließ er seine jubelnden Anhänger wissen: „Die Kleinen können die Großen besiegen.“ Philipp Lichterbeck

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