PORTRÄT : Franck Ribéry: „Ich spüre, dass ich mehr Saft habe“

Immer noch ist sich Franck Ribéry nicht sicher, wo seine Zukunft liegen soll. Dabei hat er den FC Bayern gerade erst an die Tabellenspitze zurückgeschossen.

Thomas Becker
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Foto: dpadpa

Für ein paar Sekunden sah Franck Ribéry aus wie sein Landsmann Fantomas. Eine Maske wie der TV-Schurke der 60er Jahre trug der eigenwilligste Fußballer des FC Bayern München zwar nicht, aber als er nach den ersten hitzigen Minuten der Partie gegen den Hamburger SV am Sonntag sein Thermo-Unterhemd auszog, war ein gewisse Ähnlichkeit nicht zu übersehen. Und wie im Film entwischte auch der Franzose am Ende seinen Verfolgern und brachte letztlich alle zum Lachen.

Ribéry wäre nicht Ribéry, hätte er seinen Treffer nicht noch für eine kleine Demonstration genutzt. Kaum war das Tor erzielt, streckte Ribéry den Zeigefinger Richtung Bayern-Bank aus. Diesmal zog es den Franzosen nicht zu Trainer Louis van Gaal, sondern zu David Alaba, dem 17-jährigen Mittelfeldmann aus der Bayern-Reserve, der dem Weltstar um den Hals fallen durfte.

Es ist eines von vielen Rätseln, die der 26 Jahre alte Franzose hinterlässt. Vier Monate lang litt er an Kniebeschwerden, stritt sich mehr oder weniger öffentlich mit van Gaal und versöhnte sich dann nach seinem ersten Einsatz wieder mit ihm. „Ich spüre, dass ich mehr Saft, mehr Power habe“, sagt Ribéry inzwischen. „Es ist ein tolles Gefühl, wieder richtig dabei zu sein.“

Van Gaal lobte den empfindsamen Flügelspieler, den er ja für den Geschmack des Franzosen viel zu zaghaft wieder ins Bayern-Spiel integriert hatte: „Ribéry ist ein Spieler, der ein Spiel entscheiden will.“ Warme Worte, die Ribéry gefallen werden. Denn immer noch ist er sich nicht schlüssig, wo seine Zukunft liegen soll. Und da van Gaal weiß, dass sein neuer, so erfolgreicher FC Bayern ohne den quirligen Franzosen fast komplett auf die Kreativität des fragilen Arjen Robben angewiesen ist, fasst er ihn für seine Verhältnisse beinahe mit Samthandschuhen an.

Ob Ribéry die Wertschätzung van Gaals genügt, um den bis 2011 laufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern, bleibt fraglich. Viel wird vom Abschneiden in der Champions League abhängen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagt: „Wenn Franck gut spielt und er das Gefühl hat, dass es eine Perspektive gibt – dann haben wir gute Chancen.“ Dass die wahre Stärke des FC Bayern an der Königsklasse und nicht an der Bundesligatabelle abzulesen sein wird, darüber ist man sich einig. Van Gaal sagte nach der mühsamen Rückeroberung der Tabellenspitze: „Ich würde mein Geld nicht auf den FC Bayern in der Champions League setzen. Aber in der Bundesliga schon.“

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