• PORTRÄT FRANÇOIS FILLON FRANZÖSISCHER EX-PREMIER:: „Es gibt keinen Mann der Vorsehung“

PORTRÄT FRANÇOIS FILLON FRANZÖSISCHER EX-PREMIER: : „Es gibt keinen Mann der Vorsehung“

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Die Zeit der Rücksichtnahme ist vorbei. Mehr als ein Jahr lang hat er geschwiegen. Im Grunde genommen hatte sich François Fillon seit der Wahlniederlage der französischen Konservativen genauso verhalten wie während seiner fünf Jahre als Regierungschef unter Präsident Nicolas Sarkozy: loyal. Bis zur Selbstaufgabe hatte er sich zurückgehalten und persönliche Demütigungen durch den selbstherrlichen Sarkozy immer wieder hingenommen.

Doch nun hat Fillon zurückgeschlagen. Drei Tage nach einer Rede, in der sich Sarkozy vor den Funktionären der früheren Regierungspartei UMP als potentieller Retter für die nächste Präsidentenwahl 2017 empfahl, setzte sich Fillon deutlich von dem Ex-Präsidenten ab, der ihn einst als bloßen „Mitarbeiter“ abgetan hatte.

„Ich binde die Zukunft der UMP nicht an einen Mann“, sagte Fillon beim Sommertreffen seiner Anhänger im Ferienort La Grande Motte am Mittelmeer. Die UMP könne nicht wie tiefgefroren in der Erwartung eines Retters ausharren. „An einen Mann der Vorsehung zu glauben, hieße das Land von seiner eigenen Verantwortung ablenken – es gibt ihn nicht.“

Fillon, 59, ist schon Kandidat. Im Mai hatte er seinen Anspruch angemeldet, bei den parteiinternen Vorwahlen 2016 anzutreten, mit denen die UMP ihren Kandidaten finden will. Die UMP müsse bei ihrer Kandidatenwahl klare demokratische Regeln befolgen, sagte Fillon. Es werde „keine geheimen Zirkel“ mehr geben, in denen Kandidaten ausgeguckt würden.

Der 58 Jahre alte Sarkozy hatte den Anspruch seines Ex-Premiers in seiner Rede vor den Parteifunktionären zuvor als „kühn“ kritisiert. Es sei „unwürdig“, jetzt schon über die Präsidentschaftswahl 2017 zu sprechen, während das Land wirtschaftlich leide. Über seine eigenen Absichten sagte er, er werde sie bekannt geben, wenn es so weit sei. Doch Zweifel daran, welcher Art diese Absichten sein könnten, ließ er nicht aufkommen.

Nicolas Sarkozy ist offenbar überzeugt davon, dass ihm die Stimmen der Franzosen wieder zufliegen werden, wenn es mit dem Land, wie er glaubt, unter dem sozialistischen Präsidenten François Hollande weiter bergab geht. Dagegen forderte Fillon die UMP zu einer umfassenden Analyse ihrer Niederlagen vom vergangenen Jahr auf. Er selbst machte in La Grande Motte den Anfang mit der Selbstkritik: „Wir haben nicht genug getan, um Frankreich zu reformieren und zu modernisieren“, sagte er. Hans-Hagen Bremer

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