PORTRÄT FRANK HENKEL BERLINER CDU-CHEF: : „Die Grünen eiern nur herum“

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Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Klartexten kann er. Wenn Frank Henkel über den politischen Gegner herfällt, dann erinnert er manchmal an Klaus Landowsky. Wie der wohl beste Nahkämpfer, Polemiker und Menschengewinner der Berliner CDU kann Henkel direkt und böse, aber auch verbindlich reden, je nach Anlass. Deshalb ist Henkel, was er ist: Landes- und Fraktionschef und – womöglich – Spitzenkandidat der Berliner CDU.

Und doch dürfte der Vergleich mit Landowsky Henkel nicht glücklich machen. Die Menschen nämlich hat Henkel noch nicht so richtig für sich einnehmen können. Gewonnen hat er nur die 12 000 Berliner CDU-Mitglieder, doch in den Meinungsumfragen schwächeln Henkel und seine Partei noch immer. Die Hauptstadt-Union wird derzeit mit 22 Prozent gemessen, es waren schon weniger, es waren schon mehr. Problematischer als der Parteiwert ist, dass Henkel noch immer ein Unbekannter der Berliner Landespolitik ist. Und wie schon Friedbert Pflüger könnte Henkel die Erfahrung machen, dass seine derzeit noch gelassenen Parteifreunde nervös werden, wenn der stämmige Frontmann nicht bald in den Umfragen besser wegkommt.

Wenn er denn nominiert werden will. Henkel legt es, anders als andere in der jüngeren Parteigeschichte, nicht darauf an, schnellstmöglich als Anti-Wowereit aufgestellt zu werden. Vor gerade zwei Jahren hat er die unter Ingo Schmitt schwer verunfallte CDU übernommen. Er hat sich damals als „Teamspieler“ bezeichnet – und war es wirklich. Wie seit vielen Jahren nicht, funktioniert seine Partei. Man hält zusammen, man entwickelt Konzepte, man hat in der Bildungs-, in der Wirtschafts- und in der Arbeitsmarktpolitik Ideen anzubieten statt, wie früher, vor allem Streitereien. Dass es liberale und großstadtgemäße Ideen sind, hängt auch mit Henkel zusammen: Er hat einen klaren Blick auf die Hauptstadt der Hartz-IV-Empfänger. Das Konservativste an der Berliner CDU ist wohl der Vorschlag, auf Schulhöfen eine Pflicht zum Deutschsprechen einzuführen.

Vieles also spricht für den CDU- Spitzenkandidaten Frank Henkel – und zugleich gegen ihn: Der Mann und sein Team, zu dem Monika Grütters und der Unternehmer Thomas Heilmann gehören, haben der Partei gutgetan, und in der Partei spüren das viele. Da wäre es bitter für die Berliner CDU, wenn – etwa nach einem schwachen dritten Platz bei der Wahl – zuerst der erste Mann abgestraft würde. Werner van Bebber

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