• PORTRÄT FRED THOMPSON WILL US-PRÄSIDENT WERDEN:: „Einige von uns schwimmen mit den Krokodilen“

PORTRÄT FRED THOMPSON WILL US-PRÄSIDENT WERDEN: : „Einige von uns schwimmen mit den Krokodilen“

Christoph von Marschall

Millionen kennen ihn als den strengen, aber jovialen Mann mit dem gesunden Rechtsempfinden, der sie vor Verbrechen schützt. In der populären TV-Serie „Law and Order“ spielt Fred Thompson den Staatsanwalt. Nun schickt sich der 64- Jährige an, in die Politik zurückzukehren, als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat der Rechten, und im ganzen Land Recht und Ordnung wiederherzustellen – wie in den großen Zeiten der Republikaner unter Ronald Reagan. 1994 bis 2002 saß er für den Südstaat Tennessee im US-Senat. Die ungewöhnlichen acht Jahre erklären sich so: Die Bürger wählten ihn, als der Demokrat Al Gore zwei Jahre vor Ablauf seiner Senatszeit Vizepräsident von Bill Clinton wurde. 1996 wurde Thompson für reguläre sechs Jahre bestätigt.

Noch kokettiert Thompson mit der Bewerbung ums höchste Amt. Angeblich hat er sich „noch nicht entschieden“ und „testet nur das Wasser“. Doch am 30. Mai bat er um Urlaub von „Law and Order“. Am Freitag folgte der erste formale Schritt, die Gründung eines Erkundungskomitees. Heute nun soll das Spendensammeln offiziell beginnen. Am 4. Juli, dem Nationalfeiertag, will er sich erklären.

Seine Chancen stehen gut. Es gibt zwar bereits zehn republikanische Bewerber, aber 60 Prozent der Basis sind unzufrieden mit dem Angebot. Die Favoriten, New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani und Arizonas Senator John McCain, sind bei Herzensthemen wie Abtreibungsverbot, Waffenfreiheit oder Immigration zu liberal. Die Vertreter der Rechten, Mike Huckabee oder Sam Brownback, sind Provinzgrößen, ohne Appeal für die breite Masse.

Thompson ist ein neuer Reagan: bekannt und beliebt als Schauspieler, der großväterliche Beschützertyp, der bei Frauen mittleren Alters bestens ankommt. Der stattliche 1,90-Mann verspricht Härte im Kampf gegen Terror und Durchhalten im Irak, ansonsten greift er George W. Bush von rechts an: Sein liberales Einwanderungsrecht für Hispanics sei ein Ausverkauf der US-Interessen. Ohne den Namen zu nennen, wirft er ihm Verrat vor an republikanischen Tugenden, er sei längst Teil von Intrigen und Korruption in der Hauptstadt. „Einige von uns waren angetreten, den Sumpf trockenzulegen, haben sich aber mit den Krokodilen verbündet.“ Da jubelt das Publikum wie jetzt in Richmond, Virginia. Fast doppelt so viele kamen zur Republikaner-Gala wie 2006: um Fred Thompson zu hören.

Christoph von Marschall

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