PORTRÄT FRITZ SCHRAMMA OBERBÜRGERMEISTER KÖLNS: : „Die Moschee wird kommen“

Es gibt in der Domstadt gleich eine ganze Reihe von Debatten, bei denen der Oberbürgermeister eine andere Linie fährt als seine Freunde in der CDU – besonders auffällig ist das beim umstrittenen Bau einer neuen Moschee, die bundesweite Schlagzeilen gemacht hat.

Jürgen Zurheide

Niemand zweifelt an der Botschaft. „Ja, ich werde wieder antreten und will wiedergewählt werden“, soll der entscheidende Satz von Fritz Schramma lauten, wenn er sich am heutigen Montag erklären wird. Es geht ja auch um ein schönes Amt: Oberbürgermeister der Stadt des Karnevals und des 1. FC Köln – aber eben auch des rheinischen Klüngels. Genau der lastet sichtlich auf der Kandidatur des Kölners für eine zweite Amtszeit.

Seit die Sozialdemokraten gemeinsam mit den Grünen den alten Angstgegner Jürgen Roters als gemeinsamen Kandidaten für den Posten des Oberhauptes in der Millionenstadt gekürt haben, hört man auffällig viele skeptische Kommentare zum amtierenden Oberbürgermeister. Das Hauptproblem von Schramma ist weniger der Gegenkandidat – im Moment machen ihm die eigenen Leute das politische Überleben schwer.

Es gibt in der Domstadt gleich eine ganze Reihe von Debatten, bei denen der Oberbürgermeister eine andere Linie fährt als seine Freunde in der CDU – besonders auffällig ist das beim umstrittenen Bau einer neuen Moschee, die bundesweite Schlagzeilen gemacht hat. Zudem hat Schramma Probleme bei der Neugestaltung des Rathausvorplatzes – obwohl er selbst der Jury angehörte und mit Ja stimmte, laviert er jetzt bei der Frage, wie das geplante jüdische Museum dort aussehen soll. Niemand Geringeren als Konrad Adenauer, den Enkel des noch immer bekanntesten Kölners überhaupt, hat er hier gegen sich.

Der 1947 in Köln-Nippes geborene Schramma entspricht zwar privat dem Bild des leutseligen Kölners und läuft regelmäßig zu Hochform auf, wenn er bei Vereinen oder im Karneval auftritt, hat aber Schwierigkeiten, seine politische Linie durchzuhalten. So hat er für den Bau der Moschee plädiert, sich selbst aber unterschiedlich zu den Plänen des renommierten Kirchenbaumeisters Gottfried Böhm geäußert. Offen ist auch der Ausgang der Debatte um den Rathausvorplatz und das jüdische Museum. Schramma ist im Prinzip wieder dafür, muss aber mit Widerstand aus den eigenen Reihen rechnen. Einer der prominentesten Gegner ist Alfred Neven Dumont, der Herausgeber des Kölner Stadtanzeigers, in dessen Zeitung schon mal Stimmung gegen den Bau vor dem Rathaus gemacht wird; zu den Befürwortern zählt Adenauer, der einen Neubau des Museums mitten in der Stadt für richtig hält. Schramma wird sich auch da entscheiden müssen.Jürgen Zurheide

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