PORTRÄT FÁTIMA BÁÑEZ SPANISCHE ARBEITSMINISTERIN: : „Hilfe von der Jungfrau“

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Ihr untersteht eines der wichtigsten Ministerien in der spanischen Regierung: Fátima Báñez, 46, ist Spaniens Arbeitsministerin. Sie soll die horrend hohe Arbeitslosigkeit dort bekämpfen: Mehr als 27 Prozent der aktiven Bevölkerung sind ohne Job, bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 57 Prozent – nur in Griechenland sieht es ähnlich katastrophal aus.

Angesichts dieses Dramas wird die konservative Politikerin im Volk auch gerne „Ministerin der Arbeitslosigkeit“ genannt. Mit diesem Etikett und mit der Jobkatastrophe im Rücken ist es zweifellos schwierig, bei den 47 Millionen Bürgern Punkte zu sammeln. In der monatlichen Umfrage des staatlichen Forschungsinstituts CIS dürfen die Spanier ihren Regierenden Noten verpassen: Sie fällt stets mit einem „Ungenügend“ durch.

Um die Lage in Spanien zu entschärfen, versucht die Ministerin nun auch mit Deutschland zu kooperieren. Am heutigen Dienstag trifft Báñez Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berlin. Beide Ministerinnen wollen bei der Arbeitsvermittlung zusammenarbeiten: In Deutschland werden Fachkräfte gesucht, in Spanien stehen sie auf der Straße – zehntausende junge Spanier sitzen auf gepackten Koffern und sind in der Not bereit, dem Ruf aus dem Norden zu folgen.

Denn zu Hause kommen die Aufmunterungsbotschaften der Ministerin immer weniger an. „Wir sind auf dem Wege, aus der Krise zu kommen“, verkündet sie. Und: „Es gibt hoffnungsvolle Signale.“ Auch himmlischen Beistand beschwört die tiefreligiöse Ministerin: „Von der Jungfrau kommt immer Hilfe.“ Der irdischen Stimmung auf der Straße scheint dies nicht zu entsprechen.

Die meisten Spanier zittern um ihren Job. Báñez konnte seit ihrem Antritt unter Regierungschef Mariano Rajoy Ende 2011 nicht verhindern, dass der Abwärtstrend weitergeht. Damals waren 5,3 Millionen Menschen ohne Job, heute sind es 6,2 Millionen, bald könnten es noch mehr sein. Ein Drittel der Betroffenen hat kein Anrecht auf Arbeitslosengeld.

„Diese Regierung sucht jeden Tag unermüdlich Lösungen“, verspricht Báñez. Eine ihrer Lösungen ist die Arbeitsmarktliberalisierung, welche 2012 gegen den erbitterten Widerstand der Gewerkschaften durchgepeitscht wurde. Damit wurden der Kündigungsschutz gelockert, Tarifverträge aufgeweicht, Lohnsenkungen ermöglicht. Spürbaren Aufwind brachte diese „Flexibilisierung“ bisher allerdings nicht. Ralph Schulze

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben