• PORTRÄT GABI ASCHKENASI GENERALSTABSCHEF ISRAEL:: "Ich habe volles Vertrauen in unsere Soldaten"

PORTRÄT GABI ASCHKENASI GENERALSTABSCHEF ISRAEL: : "Ich habe volles Vertrauen in unsere Soldaten"

In der Öffentlichkeit ist er bisher still geblieben. Trotzdem vertrauen ihm die Israelis. Denn er überzeugt mehr mit Fakten als mit Worten.

Charles A. Landsmann
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Foto: AFP

Mehr als einen Satz haben die Israelis in diesem Krieg um Gaza von ihrem Armee-Oberkommandierenden, Generalleutnant Gabi Aschkenasi, nicht zu hören bekommen. "Ich habe volles Vertrauen in unsere Soldaten", sagte er. Es war überhaupt seine einzige Äußerung in der Öffentlichkeit, seit er vor 23 Monaten Generalstabschef wurde.

Nicht nur Aschkenasi selbst ist schweigsam. Kein General, kein Offizier, kein einfacher Soldat darf sich in den Medien äußern. Die Presse ist nicht nur vom Gazastreifen ausgesperrt. Auch das Aufmarschgebiet der Truppen auf israelischer Seite wurde zum Sperrgebiet erklärt. Inzwischen werden Reporter auch aus Krankenhäusern ausgeschlossen, in denen Soldaten versorgt werden.

Und doch, oder wohl gerade deshalb, haben die Israelis wieder Vertrauen in ihre Armee und deren Oberkommandierenden. Gabi Aschkenasi hat das scheinbar Unmögliche geschafft: In weniger als zwei Jahren hat er aus der im Libanonkrieg gedemütigten Truppe wieder die stärkste Militärmacht der Region gemacht. Israels konventionelles Abschreckungspotenzial scheint wiederhergestellt.

Aschkenasi hat der Truppe harte Manöver verordnet und gleichzeitig die persönliche Ausrüstung des einzelnen Soldaten auf den neuesten Stand gebracht. Reservisten, die auch schon im Libanonkrieg kämpften, sind voller Lob: "Diesmal ist alles okay. Alles ist vorhanden, neu und modern." Aschkenasi hat aus den Fehlern des Libanonkrieges gelernt.

Er beließ es nicht bei Befehlen und Anordnungen. Seine unangemeldeten Kontroll-Visiten bei Truppenverbänden waren zuerst bei Offizieren berüchtigt, aber bei den Soldaten, die ihm ihre Meinung vorbringen konnten, beliebt. Er verlangt von seiner Truppe nicht nur Disziplin, sondern insbesondere Mitdenken. Vor allem aber wird er von den einfachen Soldaten als einer der ihren wahrgenommen.

Der Gegensatz zu seinem Vorgänger Dan Halutz könnte nicht größer sein. Gemeinsam haben sie nur ihre Kindheit, als sie zusammen in der von ihren Eltern mitgegründeten Genossenschaftssiedlung Moschav Hagor aufwuchsen. Der hochmütige Luftwaffen-Pilot Halutz vermochte als redseliger Generalstabschef im Libanonkrieg die Zivilisten an der Regierungsspitze über den Tisch zu ziehen. Der Infanterist Aschkenasi versucht zu überzeugen. Weniger mit Worten als mit Fakten und Taten.

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