PORTRÄT GABRIELE GIFFORDS US-ABGEORDNETE: : „Danke, danke, danke“

Lars Halter
Foto: Reuters
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Als wäre das Stück nicht schon dramatisch genug gewesen. Im Theater des Kapitol ging gerade die wochenlange Tragikomödie um die US-Staatsverschuldung in den letzten Akt. Alle Akteure waren auf der Bühne, die Abstimmung stand bevor, das große Finale. Mit ihren Ja-Stimmen wollten die heillos zerstrittenen Republikaner und Demokraten nach ewigem Streit ihr Land nun doch vor der Staatspleite bewahren. Da platzte mitten in die Spannung ein Geist. Fragil, mit kurzgeschorenen Haaren, aber tapfer lächelnd glitt eine Abgeordnete in den Saal: Gabby Giffords, die im Januar während einer Wahlkampfveranstaltung in Tucson, Arizona, nur knapp ein Attentat überlebt hat. Eine Kugel traf die damals 40-Jährige im Kopf, weitere 18 Personen wurden getroffen, sechs starben auf der Stelle. Giffords wurde in ein künstliches Koma versetzt und durchlief eine erfolgreiche Therapie. Mitte Mai war sie in Cape Canaveral dabei, als ihr Mann, Mark Kelly, als Shuttle-Kommandant der Raumfähre Endeavour zu seinem letzten Weltraumflug startete.

Kelly kam zwei Wochen später zurück, Giffords trat jetzt ihren Dienst wieder an, umjubelt von Abgeordneten beider Parteien. Sprecherin Nancy Pelosi war ganz außer sich. „Wir sind schon oft Zeugen wichtiger historischer Ereignisse geworden“, sagte Pelosi. „Aber keines war so bedeutend, keines war so wichtig für unser Land, wie die Rückkehr unserer Kollegin.“ Das zeigt, wie sehr Politik in Washington Theater ist und wie wenig Substanz. Giffords wird in den Heldenstand erhoben, dabei ist sie in erster Linie ein Opfer. Doch Amerika braucht Helden, vor allem, wenn das Land wankt. Alles ist Show, die Show ist alles.

Und so sehr man sich über die Rückkehr und Genesung von Gabby Giffords freuen sollte, so sind doch zumindest Bewunderung und Respekt fraglich angesichts ihrer Entscheidung, ausgerechnet zum faulsten Schulden- kompromiss aller Zeiten ins Kapitol zurückzukommen. Was die Abgeordneten am Montag beschlossen haben, war schließlich die vollständige Kapitulation von Präsident Obama und seinen Demokraten vor der Tea-Party, der Rechtsaußen-Fraktion der Republikaner. Der Kompromiss im US-Schuldenstreit ist eine Schande für das Land. Die Rückkehr von Gabby Giffords war eine unerwartete Kapriole im letzten Akt, für das ganze Stück unbedeutend und für ihren Ruf letzten Endes nicht förderlich. Lars Halter

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