Porträt : Gaddafi: "Ich bin der König der Könige Afrikas"

Fast 42 Jahre steht Gaddafi jetzt an der Spitze der "Großen Sozialistischen libysch-arabischen Volksrepublik" – und ist damit der dienstälteste Potentat der ganzen Welt.

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Muammar al Gaddafi.
Muammar al Gaddafi.Foto: dpa

Bei dem bedrängten Hosni Mubarak meldete er sich noch mit einem aufmunternden Anruf, dann begannen die Wogen des Aufruhrs auch unter seinen Untertanen hochzuschlagen. Ununterbrochen halten inzwischen die Hofschranzen den 68-jährigen selbst ernannten Revolutionsführer in seinem Beduinenzelt in Sirte auf dem Laufenden. Denn auch im libyschen Nachwuchs gärt es, wenngleich das Regime seit Ende der internationalen Sanktionen versucht, durch milliardenschwere Wohnungsbauprogramme und soziale Wohltaten die Unruhe im Volk zu dämpfen.

Fast 42 Jahre steht Gaddafi jetzt an der Spitze der „Großen Sozialistischen libysch-arabischen Volksrepublik“ – und ist damit der dienstälteste Potentat der ganzen Welt. Damals putschte der 27-jährige Oberst gegen König Idris I. „Ich bin der Führer der Führer Arabiens, ich bin der König der Könige Afrikas und ich bin der Imam aller Muslime“, sagt er von sich selbst. Auf internationalen Treffen tritt er gerne in Fantasieuniformen auf, umringt von seiner legendären weiblichen Leibgarde. Anfangs galt Gaddafi im Westen als unbestechlich – und nicht an persönlichem Reichtum interessiert. Doch schon bald änderte sich das Bild: Libyen startete ein geheimes Atomprogramm, finanzierte Aufständische und Terrorgruppen in allen Winkeln der Erde. Bei der Explosion eines Pan Am-Jumbos über dem schottischen Lockerbie 1988 führten die Spuren nach Libyen. Nach drei Jahrzehnten Paria-Status kam 1999 die überraschende Wende: Gaddafi gab seine Atompläne auf und entschädigte die Familien der Opfer von Lockerbie. 2006 nahmen die USA und Libyen diplomatische Beziehungen auf. Seitdem geben sich in Tripolis wieder Geschäftsleute aus aller Welt die Klinke in die Hand.

Denn Libyen gehört wegen seines Ölreichtums neben Algerien zu den wohlhabendsten Nationen Nordafrikas – auch wenn Gaddafi durch seine pseudo-kommunistischen Eskapaden und seine Dauerkonfrontation mit dem Westen Milliardensummen verschleudert hat. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung betragen in manchen Regionen bis zu 30 Prozent. Eine freie Presse gibt es nicht, auch keine Verfassung, politische Parteien oder eine Justiz, die diesen Namen verdient. Dennoch hält die alte Garde das Land bislang noch fest im Griff. Und ihr „Bruder Führer“ gab sich bei einer Fernsehansprache sicher – sie, die echten Revolutionäre, „werden die Oberhand behalten“. Martin Gehlen

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