PORTRÄT : Gary McKinnon: „Ich suchte nur nach Ufos“

Mit einer 56K-Modem-Verbindung drang er in 97 Computer des US-Militärs und der Nasa ein und suchte nach Informationen über Ufos. Jetzt drohen dem Pentagon-Hacker aus England die Auslieferung in die USA und bis zu 70 Jahre Haft.

Matthias Thibaut

Es begann mit einem Atari 400, als Gary McKinnon 14 war. Nun ist er 43 und hat Albträume. Er fürchtet, bald in einem orangefarbenen Overall in Guantanamo Bay zu sitzen. Die Amerikaner wollen McKinnon, besser bekannt als der „Pentagon-Hacker“, als Terrorist vor Gericht stellen. Ihm drohen bis zu 70 Jahre Gefängnis. In der vergangenen Woche hat das britische Appellationsgericht McKinnons Auslieferung in die USA genehmigt.

Mit 17 ging Gary von der Schule, wurde Friseur, machte später eine Ausbildung zum IT-Techniker. Wirklich wichtig waren für ihn die haschischbeflügelten Nächte im Haus seiner Freundin in Nordlondon, in denen er mit einer 56K-Modem-Verbindung in 97 Computer des US-Militärs und der Nasa eindrang und nach Informationen über Ufos suchte. „Ich wusste, dass Regierungen Ufotechnologien wie kostenlose NullPunkt-Energie unterdrücken. Das darf der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden, wenn Rentner ihre Heizrechnung nicht bezahlen können“, sagte McKinnon dem Magazin „Wire“.

Ertappt wurde er 2002, als er das Foto eines Ufos herunterladen wollte. Seit 2005 wird um die Auslieferung gestritten. Die Amerikaner werfen McKinnon vor, kurz nach dem September 2001 wichtige Dateien in Militärcomputern zerstört, 950 Passwörter gestohlen und 300 Computer unbrauchbar gemacht zu haben. Auf der anderen Seite stehen Menschenrechtsverbände, Popstars wie Bob Geldof, die „Paranormal Daily News“ und Joseph Gutheinz, der jahrelang die Sicherheit der Nasa-Computer überprüfte. „Experten machen gegen Bezahlung, was Gary tat, und wir wollen diesen Mann einsperren“, sagt er.

Sarah Brown, die Frau des Premierministers, lud Garys Mutter zum Tee ein. Sympathisanten finden, man könne McKinnon allenfalls Naivität vorwerfen. Vor einem Jahr wurde bei ihm das Asperger-Syndrom diagnostiziert – eine Art von Autismus. Sogar die Richter glauben in ihrem Urteil, Gary McKinnons Psyche könne in einem US-Gefängnis leiden und es bestehe Selbstmordgefahr. Für Londons Bürgermeister Boris Johnson wäre die Auslieferung Großbritanniens „größter Akt der Unterwerfung seit der Suezkrise“, nie würden die Amerikaner einen der ihren wegen einer solchen Sache ausliefern. Innenminister Alan Johnson behauptet dagegen, ihm seien die Hände gebunden. McKinnons Anwälte wollen erneut Berufung einlegen. Matthias Thibaut

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