PORTRÄT : Gary Smith: „Die Seelen erkunden“

Wenn sich an diesem Mittwochabend sechs hoch über dem Wannsee Egon Bahr, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Henry Kissinger, Samuel Nunn, William Perry und George Shultz zu einer Diskussion über eine Welt ohne Atomwaffen treffen, ist das auch ein Höhepunkt im Leben von Gary Smith.

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Foto: Kai-Uwe Heinrichdpa

Seit 1997 ist Gary Smith geschäftsführender Direktor der American Academy, einer Institution des Austauschs zwischen Deutschland und den USA. In diesen Jahren ist es dem 56-jährigen amerikanischen Philosophen und Kulturmanager gelungen, die Berliner Villa der aus Deutschland vor den Nazis geflohenen jüdischen Bankiersfamilie Arnhold / Kellen zu dem Begegnungszentrum der Kulturen und Geistesströmungen beider Länder zu machen. Wenn sich an diesem Mittwochabend hoch über dem Wannsee Egon Bahr, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Henry Kissinger, Samuel Nunn, William Perry und George Shultz zu einer Diskussion über eine Welt ohne Atomwaffen treffen, wird das aber auch in Gary Smiths Leben ein Höhepunkt sein.

Ambitionierter als durch diese Veranstaltung lässt sich der Anspruch der American Academy, den Dialog zwischen der alten und der neuen Welt auf allen Gebieten in Gang zu bringen, nicht unterstreichen. In der Phase der Irritation während des Irakkrieges wurden hier, in dem von der Familie Arnhold / Kellen so großzügig zur Verfügung gestellten Landhaus, die Gesprächsfäden zwischen den USA und Deutschland zusammengehalten. Der frühere Botschafter Richard Holbrooke war es gewesen, der nach dem Abzug der Amerikaner 1994 den Wunsch äußerte, in Berlin müsse ein Ort des geistigen Austauschs zwischen beiden Ländern etabliert werden. Die Kellen / Arnholds stifteten nicht nur den Sitz der neuen Institution, sondern steuerten, mit vielen anderen zusammen, Millionen in einer Stiftung bei. Gary Smith, Spross einer jüdisch-texanischen Familie, promoviert mit einer Arbeit über „Walter Benjamins Idee der Schönheit“ und von 1992 bis 1998 Leiter des Einstein-Forums in Potsdam, wurde der erste Direktor der AA.

In Smiths Charakter finden sich sowohl ausgeprägtes Selbstbewusstsein als auch die Gabe, im Interesse der Sache im Hintergrund zu bleiben. Gleichzeitig die Rollen des Vermittlers, Antreibers und des bescheidenen Mediums einzunehmen, bereitet ihm offensichtliches Vergnügen. Die Aufgabe hat er einmal mit dem Satz umschrieben: „Wir können Vertrauen aufbauen, indem wir die Seelen unserer jeweiligen Nationen erkunden.“ Für die private Verdrahtung in Berlin sorgt nicht zuletzt die Ehe mit Chana Schütz, einer Tochter des früheren Regierenden Bürgermeisters: Aus dieser und einer früheren Ehe hat Gary Smith vier Kinder.

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