PORTRÄT GERHARD DÖRFLER LANDESHAUPTMANN: : "Haider war die Sonne Kärntens"

Wer in Kärnten im Wirtshaus hockt – behauptet zumindest der Kabarettist und gebürtige Kärntner Werner Schneyder – bewundere die Zugereisten. Aus dieser These formt Schneyder eine steile Theorie: So gesehen nämlich begründe sich im Nachhinein die Karriere Jörg Haiders, der im vergangenen Oktober durch eigene Schuld bei einem Verkehrsunfall zu Tode gekommen ist.

Mirko WeberD

Wer in Kärnten im Wirtshaus hockt – behauptet zumindest der Kabarettist und gebürtige Kärntner Werner Schneyder – bewundere die Zugereisten. Aus dieser These formt Schneyder eine steile Theorie: So gesehen nämlich begründe sich im Nachhinein die Karriere Jörg Haiders, der im vergangenen Oktober durch eigene Schuld bei einem Verkehrsunfall zu Tode gekommen ist. Haider, folgert Schneyder, sei eigentlich das absolute Gegenteil eines Kärntners gewesen, weder humorvoll noch gelassen, noch melancholisch, stattdessen ein „intelligenter Rabauke aus Oberösterreich mit Wiener Universitätslack“, der „mit komödiantisch untauglichen Mitteln einen Kärntner“ gemimt habe. Vielleicht weil in ganz Kärnten ausweislich der Statistik im Jahr weniger Leute ins Theater gehen als in Wien in drei Wochen, ist das jahrzehntelang vor Ort keinem groß aufgefallen.

Realistisch gesehen nun ist Gerhard Dörfler, Jahrgang 1955, die praktische Widerlegung dieses Gedankenspiels: Dörfler ist mitnichten ein Import, sondern bodenstämmig wie eine Buche, hat Bankkaufmann gelernt und dann 20 Jahre lang als Geschäftsleiter von Brauereien in und um Klagenfurt gearbeitet. 2001 erlag er den Lockungen der Politik respektive denen Haiders. Er wechselte für die FPÖ ins Tourismus- und Verkehrsministerium und hielt treu zu seinem Chef, den er postum als die untergegangene „Sonne Kärntens“ bezeichnet, als dieser sich mit dem BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) eine neue Plattform suchte.

Haiders Tod sorgte dafür, dass der Landeshauptmannposten gewissermaßen schicksalhaft an Dörfler fiel, dessen Humorattacken außerhalb Kärntens wohl kaum verstanden werden können. Spätestens in Wien, wo außergewöhnlich viele Exilkärtner wohnen, hört sich’s für Dörfler definitiv auf, was in ihm die Verachtung für überkandidelte Städter nur umso heftiger hervorkommen lässt. Der ihm entgegenschlagenden Verachtung ungeachtet kultivierte Dörfler in den vergangenen Monaten weiterhin eine gewisse Waldschratmentalität, kreierte sagenhafte Verschwörungstheorien zu Haiders Ableben und zeigte sich überhaupt beflissen zu beweisen, dass er öfter von allen guten Geistern verlassen sei. Tapfer versprach er daheim, er werde auch weiterhin „ein Landeshauptmann sein, bei dem das Lachen stattfindet“. Als Regierungschef von Kärnten ist Gerhard Dörfler momentan beliebter, als es Jörg Haider jemals gewesen ist. Mirko Weber

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