PORTRÄT GILAD SCHALIT ENTFÜHRTER SOLDAT: : „Ich bin ein Gefangener der Hamas“

Hannes Heine

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hat sich am Sonntag mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak getroffen. Sicherlich, der Aufstand im Iran und die staatenlosen Palästinenser waren die offiziellen Themen. Doch haben – so heißt es aus der Delegation – beide Seiten auch über den israelischen Soldaten Gilad Schalit gesprochen.

Der damals 19 Jahre alte Gefreite war vor fast genau drei Jahren an einem Grenzposten am Gazastreifen von Palästinensern entführt worden. Seitdem ist sein Aufenthaltsort unbekannt. Zu Spekulationen, eine Freilassung des Soldaten stehe unmittelbar bevor, äußerte sich Barak am Montag aber nicht: „Die Frage wird am besten fern der Medien erörtert.“

Am ersten Jahrestag der Entführung im Juni 2007 erreichte Israel eine Tonaufnahme, in der Schalit israelischen Berichten zufolge sagt, er sei Gefangener der Qassam-Brigaden, also des bewaffneten Arms der Hamas. Die islamistische Organisation, zu der 20 000 bewaffnete Kämpfer gehören, regiert seit Juni 2007 den Gazastreifen. Die Hamas fordert für Schalit die Freilassung von mehr als 450 palästinensischen Häftlingen, die wegen der Planung oder Beteiligung an Anschlägen in israelischen Gefängnissen sitzen. Das lehnt Israel bisher ab, obwohl dessen Regierung immer wieder verurteilte Palästinenser im Austausch gegen eigene Soldaten entlassen hatte.

Schalit ist vor allem unter den jüngeren Bewohnern Israels ein ständiges Thema, regelmäßig wird für seine Freilassung demonstriert. Nach ihrer Schulzeit müssen alle jüdischen Israelis zum Militär. Frauen werden für zwei Jahre eingezogen, Männer für drei Jahre. „Es hätte uns alle treffen können“, sagen junge Israelis oft.

Soldaten sind in Israel allgegenwärtig. Das Land ist so klein, dass Front und Hinterland schwer auseinanderzuhalten sind. Wer den Militärdienst umgehen will, muss sich als orthodoxer Jude in einer Religionsschule einschreiben – nur das Studium heiliger Schriften befreit vom Dienst mit der Waffe. Das kommt inzwischen allerdings häufiger vor. Mittlerweile gibt es sogar Verweigerer, die sich lieber verurteilen lassen, als gegen die Palästinenser zu kämpfen.

Doch gerade für Minderheiten wie die Beduinen oder aus Äthiopien eingewanderte Juden beginnt der soziale Aufstieg oft beim Militär. Und nur in der Armee kommt es vor, dass ein im zivilen Leben als Kellner arbeitender Schulabgänger gestandene Akademiker kommandieren darf. Hannes Heine

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