• PORTRÄT GIORGOS A. PAPANDREOU PREMIER GRIECHENLANDS:: „Ich werde immer ehrlich sein“

PORTRÄT GIORGOS A. PAPANDREOU PREMIER GRIECHENLANDS: : „Ich werde immer ehrlich sein“

Er ist der dritte Papandreou an Griechenlands Spitze: Nun muss er das Vertrauen in die politischen Institutionen des Landes wiederherstellen

Gerd Höhler
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Foto: dpaANA - MPA

Das gibt es wohl nur in Griechenland: eine Familie, drei Ministerpräsidenten. Den Sieg vom Sonntag eingerechnet, gehen nun bereits fünf gewonnene Wahlen auf das Konto des Polit- Clans Papandreou. Mit Giorgos A. Papandreou stellt die Sippe jetzt den dritten Premierminister. Giorgos hieß auch der Großvater. Er regierte das Land Ende der 1940er und erneut Mitte der 60er Jahre. Das A. steht für den Vater Andreas, der in den 80ern und erneut Anfang der 90er Jahre Regierungschef in Athen war. Wenn der „junge“ Papandreou Massenkundgebungen bestreitet, erinnern Gestik und Intonation an den Vater, der 1974 die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok) gegründet hatte. Lange stand der „kleine Giorgos“ im Schatten des 1996 verstorbenen Vaters. Jetzt muss er beweisen, dass er nicht dank seines Nachnamens zum Regierungschef gewählt wurde.

Geboren 1952 in St. Paul in den USA, wo sein Vater als Ökonomieprofessor an der Universität von Minnesota lehrte, studierte Giorgos Papandreou in Stockholm und London Soziologie. Regierungserfahrung sammelte er Mitte der 80er Jahre als Bildungsminister im Kabinett seines Vaters. 1999 berief ihn der Reformpremier Kostas Simitis zum Außenminister. An diese Ära erinnert noch heute im Untergeschoss des Außenministeriums ein gut ausgestattetes Fitness-Studio, das der sportliche Papandreou einrichten ließ. Wichtiger ist eine andere Hinterlassenschaft: Als Chefdiplomat brachte Papandreou mit seinem türkischen Amtskollegen Ismail Cem die Annäherung der beiden „Erbfeinde“ auf den Weg.

Seit er 2004 den Vorsitz der Pasok übernahm, hat er zwei Wahlkämpfe gegen den konservativen Kostas Karamanlis verloren. Diese Wahl musste Papandreou gewinnen – sonst hätte er wahrscheinlich den Parteivorsitz abgeben müssen. Obwohl vier Jahre älter als Karamanlis, wirkt der 57-jährige Papandreou wie der Jüngere – nicht nur wegen seiner schlanken, sportlichen Erscheinung. Auch seine politischen Vorstellungen sind frischer. So will er das Klientelwesen, an dem die griechische Politik seit Jahrzehnten krankt, ausmerzen und das Vertrauen in die politischen Institutionen wiederherstellen. Nulltoleranz für Korruption: Das versprach schon Karamanlis – und scheiterte daran. Ob es Papandreou schafft, muss die Zukunft zeigen. Eine gute Voraussetzung bringt er mit: Papandreou gilt als absolut integer – in Griechenland eher die Ausnahme. Gerd Höhler

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