• PORTRÄT GLENN GREENWALD JOURNALIST UND AKTIVIST:: „Alle Journalisten sind Aktivisten“

PORTRÄT GLENN GREENWALD JOURNALIST UND AKTIVIST: : „Alle Journalisten sind Aktivisten“

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Ohne diesen Satz zu hören, beendet kein Journalistenschüler und Volontär seine Ausbildung: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ Gesagt hat ihn Hanns Joachim Friedrichs, Reporter und langjähriger Moderator der „Tagesthemen“.

Es ist ein Motto, das Glenn Greenwald falsch findet. Der Reporter, der eng mit dem amerikanischen Whistleblower Edward Snowden zusammenarbeitet und maßgeblich an der Enthüllung der NSA-Abhöraffäre beteiligt ist, mischt sich mit seiner Berichterstattung ein, er bezieht Position – und hat nun eine neue Debatte entfacht: Wie parteiisch darf ein Journalist sein? Wie viel Haltung darf er, muss er womöglich zeigen?

Als Greenwald am vergangenen Freitag beim Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs in Hamburg per Video aus Rio zugeschaltet war, forderte er die Hacker zum Widerstand gegen die Überwachungsprogramme auf. Der Enthüllungsjournalist machte sich damit quasi mit ihnen gemein – tat also genau das, was Friedrichs für eine Journalistensünde hielt.

Für Greenwald aber, der anfangs als Anwalt für Bürgerrechte arbeitete, dann lange Jahre für die britische Zeitung „The Guardian“ schrieb und mit dem Milliardär Pierre Omidyar jetzt ein neues Medienprojekt startet, gehört ein solches Engagement ganz klar zu seiner Aufgabe als Berichterstatter.

„Nicht alle Aktivisten sind Journalisten, aber alle richtigen Journalisten sind Aktivisten“, sagte Greenwald kürzlich der „New York Times“. Mit dem ehemaligen Chefredakteur der US-Zeitung, Bill Keller, stritt er darüber, ob ein Reporter lediglich neutral berichten, also die Fakten und die verschiedenen Positionen hören und darlegen soll. Oder ob er sich für eine Sache stark machen soll. Greenwald findet, dass das Neutralitätsgebot den Leser in die Irre führt. Der Journalist lasse die Leser damit im Unklaren über seine eigenen Ansichten. Ohne diese Kenntnis könne der Leser den Artikel nicht bewerten. Und deshalb, davon ist Greenwald überzeugt, sollte ein Journalist in seinen Artikeln stets seine Meinung deutlich machen.

Doch sowohl im amerikanischen als auch im deutschen Journalismus gilt weiterhin die Regel: Information und Meinung bleiben voneinander getrennt. Im Radio, Fernsehen und auch in der Zeitung ist der Kommentar für den Leser klar gekennzeichnet. Sonja Álvarez

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