PORTRÄT GLÜHBIRNE : "Extra warmweiß bis tageslichtweiß"

Thomas Alva Edison hat sie erfunden, die Europäische Union hat sie verboten: Die letzten Tage der traditionellen Glühbirne sind angebrochen.

Dagmar Dehmer
296311_0_235adbef.jpg
Foto: ddp

Am 1. September hat die matte Glühlampe in der Europäischen Union ausgedient. Ihre mangelnde Energieeffizienz ist nicht mehr mit den Klimaschutzzielen der Europäer vereinbar. Auch für die klare Glühbirne sind die Tage gezählt. In einem mehrjährigen Stufenplan werden erst die Lampen ab 75 Watt Leistung aus dem Verkehr gezogen, nach und nach folgen die anderen.

Nach 129 Jahren endet die Geschichte der Erfindung, die zumindest in den Industrieländern eine gesundheitlich unbedenkliche Beleuchtung von Häusern möglich gemacht hat. Als Erfinder der Glühlampe gilt der Amerikaner Thomas Alva Edison. Zumindest war er der Erste, der 1880 eine funktionsfähige Lampe samt Energieversorgung anbieten konnte. Nachdem er lange getüftelt hatte, um das richtige Material für den Glühfaden zu finden – Platin, Iridium, Kohle –, stellte er schließlich fest, dass Bambusfasern immerhin zwei Tage Licht ins Dunkel bringen konnten. Den beiden anderen Erfindern der Glühbirne, dem Briten Joseph Swan und dem Deutschen Heinrich Göbel, hatte Edison voraus, dass er aus der Erfindung ein Produkt machen konnte. Im Fall Göbel, der schon 1854 eine Glühlampe entworfen haben soll, gibt es inzwischen jedoch Zweifel, ob diese Geschichte wirklich stimmt.

Dietlinde Quack, Effizienzexpertin vom Freiburger Öko-Institut, war überrascht von der Emotionalität, mit der plötzlich für die Glühbirne gekämpft wird. Sie führt das „auf die schlechten Erfahrungen aus der Frühzeit der Sparlampen“ zurück. Sie seien hässlich gewesen wie ihr Licht. Doch mit der Lichtfarbe „extra warmweiß“ kommen die Energiesparlampen heute dem heimeligen Licht der Glühbirne recht nahe. Außerdem sprechen die Fakten für sich. Eine Glühbirne gibt 95 Prozent der Energie als Wärme ab, nur fünf Prozent als Licht. Bei der Energiesparlampe werden 25 Prozent der Energie in Licht umgesetzt. Sie spart damit 80 Prozent Strom. Um sie herzustellen, wird zwar zehn Mal mehr Energie gebraucht als zur Herstellung einer Glühbirne. Aber die Einsparung im Gebrauch macht dieses Manko mehrfach wett. Auch der geringe Quecksilberanteil in der Energiesparlampe wiegt geringer als das Quecksilber, das bei der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken freigesetzt wird. Außerdem hält die Sparlampe sechs bis 15 Jahre statt ein Jahr wie die Glühlampe. Nach 129 Jahren darf sie dann auch mal in den Ruhestand treten. Es gibt Besseres als Glühbirnen. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar