Porträt Götz George: : „Wir leben in einer leeren Zeit“

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Größer kann eine Hommage kaum ausfallen. Die ARD wird Götz George am 24. Juli, einen Tag nach dessen 75. Geburtstag, mit einem Fernsehabend feiern. Erst läuft mit „Schuld und Sühne“ ein Krimi, der George als Kommissar Schimanski zeigt, dann folgt das Doku-Drama „George“, in dem George seinen Vater Heinrich George spielt. Statt sich zu freuen, ärgert sich der Geehrte – über den Termin am 24. Juli, „wenn alle im Urlaub sind“. Der Schauspieler wollte, dass der Film über Heinrich zu dessen Geburtstag im Oktober ausgestrahlt wird.

Götz George ärgert sich oft über die Bürokraten in den Sendern, über das auf Kohle und Quote reduzierte Denken und Handeln. Weit greift die Misanthropie des Preußen und Pflichtenmenschen aus: „Wir leben in einer leeren Zeit.“ Dabei haben es Zeit und Zeitgenossen mit dem Berliner gut gemeint, freilich stets begleitet vom Leben des Vaters: Der Groß-Schauspieler stieg als Mitläufer ganz hoch im NS-Staat, ehe er 1946 in sowjetischer Lagerhaft starb; um die Rehabilitation von Heinrich George haben Ehefrau Berta Drews und ihre Söhne Götz und Jan stets gekämpft. Ein Lebensthema, vielleicht ein Lebenstrauma.

Götz George betont immer wieder, dass er seinen Vater als Künstler nicht erreicht habe. Aber versucht hat er alles. Seine Arbeitsbiografie berichtet von großer physischer wie psychischer Spannbreite und Spielwut. Sein SchimanskiKommissar, 1981 „geboren“ und schnell der erste coole Typ im deutschen Fernsehen, ist die Popkorn-Nummer und die Anschlussfigur zu den Winnetou-Filmen Anfang der 60er Jahre, als George mit der Körperlichkeit seiner Darstellung zum Teenie-Idol wurde.

Später, im Film wie im Fernsehen, hat George seine meisten Rollen nicht mehr nach der Ökonomie, sondern nach dem Grad der Herausforderung für seine darstellerische Kunst ausgewählt. Er präzisierte in „Aus einem deutschen Leben“ (1977) den KZ-Kommandanten Rudolf Höß als emotionslosen Exekutor, er war der „Totmacher“ (1995), expressiv und introvertiert spielte er den Massenmörder Fritz Haarmann. Den „Hitler-Tagebücher“-Skandal erledigte er in „Schtonk“, als er den wichtigtuerischen Reporter Willié zum Wicht entkernte. Ja, George kann Monstermenschen, er ist Komödiant, er kann Mitmenschen aus Fleisch und Blut erstehen lassen wie den an Alzheimer erkrankten Busfahrer in „Mein Vater“ (2003). Was George nicht kann, nicht will: Durchschnitt.

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