PORTRÄT : Gordon Brown: „I am sorry, Mrs. Janes“

Die Aufzeichnung eines 13-minütigen Telefongesprächs mit einer Soldatenmutter zeigt: Mit Gordon Brown zog wieder mal ein britischer Premierminister bei einer Konfrontation mit einer Frau aus dem Volk den Kürzeren.

Matthias Thibaut

Gordon Brown sagte 13 Mal „sorry“, als er die Soldatenmutter Jacqui Janes anrief – und doch wurde keine Entschuldigung daraus. Jedenfalls nicht die, die sich Mrs. Janes erhofft hatte. Auch wer die Aufzeichnung des 13-minütigen Telefongesprächs auf der Website der Boulevardzeitung „Sun“ anhört, weiß nicht recht, wofür sich der Premier entschuldigt. Dafür, dass Janes’ 20-jähriger Sohn Jamie in Afghanistan getötet wurde? Dass er, wie sie behauptet, verblutete, weil es an Hubschraubern fehlte? Oder sagte er sorry, weil schon über 230 Soldaten in Afghanistan gefallen sind?

Wieder einmal zog ein britischer Premier bei einer Konfrontation mit einer Frau aus dem Volk den Kürzeren. So wie Tony Blair, dem Sharon Storer die Leviten über den Gesundheitsdienst las, weil ihr schwerkranker Mann 50 Minuten in der Notaufnahme stehen musste. Oder Margaret Thatcher, die von Diana Gould beschuldigt wurde, den argentinischen Kreuzer „Belgrano“ im Falklandkrieg wissentlich außerhalb der Kriegszone versenkt zu haben. Auch das waren Momente von unwiderstehlicher Symbolkraft.

Jacqui Janes findet richtig, dass die Briten in Afghanistan kämpfen, aber sie ist auch wütend. Eine Bank retten, dafür habe Brown Geld, aber die Ausrüstung für ihren Jamie habe sie selbst kaufen müssen. Sie war wohl schon wütend, bevor sie Browns persönlicher, aber unleserlicher Beileidsbrief erreichte. „Bitte verstehen Sie meine guten Absichten“, sagte Brown am Telefon und beharrte darauf, dass er sie mit „Janes“, nicht mit „James“ angeschrieben habe. So lief das Gespräch schief.

Brown steckt in einer Vertrauenskrise, nicht wegen seiner Politik oder weil die Partei ihn nicht will oder er die Wahl verlieren wird. Er findet nicht die richtigen Worte, die die Briten und Mrs. Janes jetzt brauchen, um die wachsende Zahl der Toten in Afghanistan zu akzeptieren. Gestern bei seiner Pressekonferenz war Brown so bedrückt, dass viele Journalisten Mitleid hatten. Es ist in der Tat unfair, wie die „Sun“ versucht, Brown fertigzumachen, und dafür Mrs. Janes ins Spiel bringt. Aber wie die Mutter des Grenadiers sehen viele Briten mit Schrecken, dass sie von ihrem Premier in der Kriegskrise im Stich gelassen werden. „Ein Führungsversagen“, warnte Londons Bürgermeister Boris Johnson. Als Tory ist er nicht unparteiisch, aber viele verstanden, was er meinte, als er hinzufügte: „Dies ist das erste Mal, dass wir Tony Blair vermissen.“

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