• PORTRÄT GÜNTHER GROTKAMP EHEMALIGER WAZ-CHEF:: „Wir haben unser Geld nicht vom Ausgeben“

PORTRÄT GÜNTHER GROTKAMP EHEMALIGER WAZ-CHEF: : „Wir haben unser Geld nicht vom Ausgeben“

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Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die Meldung, dass der Axel-Springer-Verlag beim Essener WAZ-Konzern einsteigen wolle, war erst wenige Stunden alt, da ließ Miteigentümerin Petra Grotkamp mitteilen, weder ein Verkauf noch eine Zerschlagung ihres Unternehmens stünden zur Debatte. Sie ließ noch hinzufügen, dass die existierenden Verträge so etwas ohnehin nicht zuließen. Spätestens an dieser Stelle kommt ihr Ehemann Günther Grotkamp ins Spiel, dem man nachsagt, dass er niemanden fragen muss, wenn es darum geht, juristisch schwierige Fragen zu bewerten.

Günther Grotkamp hat den Essener Konzern in mehr als drei Jahrzehnten zur Nummer zwei hinter Springer in der deutschen Zeitungslandschaft gemacht und dafür gesorgt, dass es im Ruhrgebiet eine für die Gruppe höchst profitable Monopolstellung gibt. Das Schicksal fügte sich für Günther und Petra Grotkamp, so dass sie – beide verwitwet – im Jahre 1986 den Bund der Ehe schlossen; der Geschäftsführer also seitdem durch die Heirat mit einer 16,67-Prozent-Eigentümerin am von ihm maßgeblich geschaffenen Konzern verbandelt ist. Seither ziehen beide an einem Strang und scheuen nicht davor zurück die eigene Sippe vor Gericht zu zerren, wenn die hohe Gewinnausschüttungen verlangt. „Wir haben unser Geld nicht vom Ausgeben“, lautet in solchen Situationen ein Wahlspruch Günther Grotkamps.

Der Poker um die Verlagsanteile geht auf eine Rochade in der eigenen Sippe zurück. Die strenge Parität der Anteile zwischen den WAZ-Gründerfamilien Funke und Brost geriet durch einen vertraulichen Deal ins Wanken. Der Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner hatte als Mitglied der Funke-Seite die Hälfte seiner Anteile gegen 85 Millionen Euro an die Brost-Seite verpfändet und damit die Parität der Stämme infrage gestellt.

Die Funke-Tochter Petra Grotkamp hatte daraufhin – mit Ehemann Günther im Rücken – den am Verlag nicht mehr interessierten Brost-Erben die Übernahme ihres kompletten 50-Prozent-Anteils angeboten. Sie würde damit am Ende nicht nur 66,75 Prozent besitzen, sondern auch noch den Zugriff auf die Hälfte des 16-prozentigen Holthoff-Pförtner-Anteils erhalten. Der Jurist Grotkamp gibt Springer wegen der von ihm ausgehandelten Verträge zwischen den beiden Eigentümerfamilien keine Chance. Darüber hinaus war seine Frau wohl sparsam genug, um jetzt ihr Angebot an die Brost-Erben erhöhen zu können. Jürgen Zurheide

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