PORTRÄT GUIDO WESTERWELLE FDP-POLITIKER: : „Ich kämpfe nicht für fünf plus x“

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Dass er im Frühjahr 2011 sein geliebtes Amt an der Spitze der FDP aufgeben musste, hat Guido Westerwelle zunächst schwer getroffen. Wer ihn traf, der sah einen leidenschaftlichen Politiker, der sich plötzlich selbst immer wieder zur Distanz zu seiner Parteizentrale mahnen musste. Die FDP hatte ihren begabtesten Wahlkämpfer und Strategen verschmäht. Nun wollte er nur noch als guter Außenminister in die Geschichtsbücher eingehen. Darauf konzentriert sich Westerwelle seither wie in einem selbst gewählten Exil.

Doch damit ist es vorbei. Schon im September kehrte der 51-jährige Westerwelle aus der großen weiten Welt in die deutsche Politik zurück – nach Saalfeld, wo sich die Thüringer FDP auf das Bundestagswahljahr 2013 vorbereitete. Und siehe da: Kaum betritt Westerwelle ein Wahlkampfpodium, beginnt er auch schon in vollen Zügen sein Repertoire an beißender Kritik für die Politik der anderen Parteien zum Besten zu geben. Beinahe wie bei einem Zirkuspferd, das sofort heiter mit den Hufen zu scharren beginnt, wenn es in der Ferne die Musik aus dem Festzelt hört.

An diesem Wochenende nun wurde Westerwelle mit 88 Prozent der Stimmen seines Landesverbandes Nordrhein-Westfalen zur Nummer eins auf der Liste zur Bundestagswahl nominiert. Westerwelle ist wieder Spitzenkandidat, wenn auch „nur“ ein aus Düsseldorf entsandter. Aber die Messlatte legt der Mann, der als Erster und Einziger seiner FDP 2009 ein Ergebnis nahe 15 Prozent erkämpft hat, gleich wieder ganz nach oben. Er kämpfe nicht für „fünf plus x“ Prozent, rief er den Nordrhein-Westfalen zu, unter einem zweistelligen Ergebnis trete er gar nicht erst an.

Sehr lange hat Guido Westerwelle zugesehen, wie der Mann (die Rede ist von Philipp Rösler), für den er aus dem obersten Parteiamt scheiden musste, seine FDP im Umfragekeller gefangen gehalten hat. Beinahe genauso lange hat er sich aus der Innenpolitik herausgehalten. Nächstes Jahr wird er wieder auf den Marktplätzen zu sehen sein. Als Rückkehr des Guido Westerwelle an die Spitze der FDP darf man das allerdings nicht missverstehen. Die Liberalen haben nur ihren Frieden mit dem Steuersenker gemacht. Und weil sie im Moment zwischen gestern und morgen inhalts- und visionslos hin und her taumeln, tut es ihnen zuweilen sehr gut, wenn einer auf dem Podium steht und laut herausschmettert, dass „der, der arbeitet, mehr haben muss als der, der nicht arbeitet“. Antje Sirleschtov

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