PORTRÄT : Haluk Yildiz: „Wir waren doppelt so gut wie erwartet“

Haluk Yildiz wurde am Sonntag in den Bonner Stadtrat gewählt. Er ist Chef der deutschlandweit ersten Wählergemeinschaft für Muslime.

Jürgen Zurheide

Haluk Yildiz hat es gehofft, aber sicher ist er nicht gewesen. Immer wieder hat er in den zurückliegenden Wochen diese einfache Rechnung aufgemacht: In Bonn leben rund 30 000 Muslime, davon sind etwa 7000 wahlberechtigt. „Wenn uns nur ein Teil davon ihre Stimme gibt, kommen wir sicher in den Stadtrat“, hat der Vorsitzende der deutschlandweit ersten Wählergemeinschaft für Muslime seinen Freunden und Freundinnen immer wieder gesagt. Seit Sonntagabend weiß er, dass er sich nicht verkalkuliert hat. „Wir waren sogar doppelt so gut wie erwartet“, freut er sich am Tag danach, denn die von ihm geführte Gruppe unter dem Namen „Bündnis für Frieden und Fairness“ (BFF) hat den Sprung in das Stadtparlament mit 2,1 Prozentpunkten sicher geschafft; neben ihm zieht noch Hülya Dogan in den Rat ein, um die Interessen der Zuwanderer zu vertreten.

Diese Sicht der Dinge ruft allerdings erst einmal den Widerspruch des 41-jährigen Unternehmensberaters hervor, der als türkischstämmiger Deutscher in Bonn lebt: „Wir wollen alle Menschen ansprechen.“ Das Wahlprogramm enthält deshalb neben dem Wunsch nach mehr Dialog über kulturelle Grenzen hinweg auch Forderungen nach einer Stärkung der Wirtschaftskraft und besseren Bedingungen für die Studierenden.

Entstanden ist das Bündnis aus dem Rat der Muslime in Bonn. Haluk Yildiz führt dieses Gremium seit drei Jahren und ist damit der offizielle Sprecher aller Muslime in der Bundesstadt. Einzelne Mitglieder dieses Rates sind allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass ihre Arbeit dort nicht genügend Resonanz findet, man also eine direkte politische Vertretung im Rat braucht. Inzwischen hat das Bündnis rund 50 Mitglieder, viele von ihnen sind in Deutschland geboren, alle sind Muslime. Abgrenzungsschwierigkeiten zum Rat der Muslime fürchtet Yildiz nicht.

„Das BFF ist nicht der verlängerte Arm des Rates oder einer islamistischen Partei“, versucht Yildiz zu erklären. Sein Anspruch ist breiter. Ihm geht es nicht nur um die Sprache („die zu lernen, ist Bringschuld der Zuwanderer“), er will vor allem die berufliche Integration in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen. Dabei geht es den Initiatoren des Bündnisses nicht immer nur um große Politik. Hin und wieder helfen die menschlichen Kontakte. „Straßenfeste sind gut gegen Ghettobildung“, lautet das Motto des Bündnisses, sie gäben das Gefühl „in Bonn zu Hause zu sein“. Jürgen Zurheide

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