PORTRÄT HAMID KARSAI : "Ich habe das Land bisher gut geführt“

Wenn der afghanische Präsident Hamid Karsai am Donnerstag nach Paris zur internationalen Afghanistankonferenz kommt, dürfen sich die Teilnehmer auf einen selbstbewussten Herrscher gefasst machen.

Ruth Ciesinger

Der Mann steckt voll im Wahlkampf. Seit Ende 2001 steht Hamid Karsai an der Spitze Afghanistans. Erst als von den Amerikanern inthronisierter Interimspremier, seit 2004 dann als von den Afghanen selbst gewählter Präsident. Wenn nun 2009 seine erste Amtszeit abläuft, will der Paschtune wieder kandidieren. Und dazu muss er seinen Bürgern vor allem zeigen: Ich bin nicht der Büttel der internationalen Gemeinschaft, ich bin euer starker, unabhängiger Präsident.

Wenn Karsai am Donnerstag nach Paris zur internationalen Afghanistankonferenz kommt, dürfen sich die Teilnehmer deshalb auf einen selbstbewussten Herrscher gefasst machen, der mit viel neuem Geld – der Präsident sprach von 50 Milliarden Dollar – und wenig Kritik an der eigenen Amtsführung wieder nach Kabul zurückkehren will. Dabei ist die Enttäuschung über Karsai international inzwischen groß; er tue nichts gegen die Korruption, sei der Vetternwirtschaft nicht abgeneigt und ohnehin nie über den Status des „Bürgermeisters von Kabul“ hinausgekommen, sagen auch hochrangige europäische Politiker.

Tatsächlich erstreckt sich Karsais Amtsgewalt auf Kabul und einige Provinzhauptstädte, in den übrigen Landesteilen ist sie eher begrenzt. Von ihm entsandte Regierungsvertreter genießen oft einen zweifelhaften Ruf, und er muss immer wieder Kompromisse mit Warlords und Taliban eingehen. Auch ist noch gar nicht klar, ob wegen der schlechten Sicherheitslage im kommenden Herbst überhaupt in allen Landesteilen abgestimmt werden kann. Doch bisher hat sich kein Kandidat ernsthaft gegen Karsai positioniert, und der Präsident nutzt fleißig seine Vormachtstellung, um sich selbst die Weichen für eine günstige Ausgangsposition zu stellen.

Eine besondere Rolle spielt dabei das „Independent Directorate of Local Governance“ (IDLG), das im vergangenen August eingerichtet wurde, und das der Karsai-Vertraute Jailani Popal leitet. Das IDLG kann nicht nur über Gouverneursposten, sondern in den Provinzen sogar bis hinein in die Stadträte die Zusammensetzung politischer Gremien bestimmen – was wiederum den Einfluss des Präsidenten stärkt. Ob das mit dem Wunsch der internationalen Gemeinschaft konform geht, Gouverneure und regionale Kräfte zu stärken, ist fraglich. Dennoch wird für Paris erwartet, dass die afghanischen Vertreter auch um mehr Finanzen für das IDLG werben werden. Ruth Ciesinger

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