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PORTRÄT HANS DICHAND ÖSTERREICHS MEDIENMOGUL: : „Ich möchte ihn als Nummer eins sehen“

Der Herausgeber der "Kronen-Zeitung" hat Macht, viel Macht. Jetzt wünscht er sich einen anderen Bundespräsidenten.

Mirko Weber
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Foto: p-a/dpa

Nur zum Vergleich: Wenn in Deutschlands größtem Boulevardblatt der Chefredakteur zum Leser spricht, was zum Glück selten geschieht, tut er das auf Seite 2, sobald die Busenbilder durch sind, also ziemlich weit vorn im Blatt. In Österreich ist das anders. Da platziert Hans Dichand, der mittlerweile 88-jährige Herausgeber der „Kronen-Zeitung“, seine staatstheoretischen Schriften in der angehefteten Programmillustrierten „Live“, als ob es um eine x-beliebige Operette ginge. Geht es aber nicht. Dichand hat sich dort selbst gerade einen anderen Bundespräsidenten für Österreich gewünscht, und wenn es auch weitgehend ausgeschlossen erscheint, dass er ihn demnächst auf dem Silbertablett bekommt, erzählt die Geschichte recht deutlich, was für ein Durcheinander Dichand in Österreichs Innenpolitik anrichten kann.

Das dauert zwei Zeilen. „Ich möchte ihn schon gerne als Nummer eins unseres Staates sehen“, steht da – und heißt: Ich, Hans Dichand, Kaiser und Zeitungsgott, gehe davon aus, dass Erwin Pröll, Landeshauptmann von Niederösterreich und Mitglied der ÖVP, Heinz Fischer (SPÖ) ablösen möge. Spätestens 2010. Erwin Pröll ist der Bruder von Josef Pröll, welcher, ebenfalls von der ÖVP, seit letztem Jahr in der Funktion des Finanzministers eine Koalitionsregierung mit der SPÖ und Kanzler Werner Faymann unterhält. Den Josef würde Dichand gerne gleich mitbefördern, weil, wie er schreibt, mit Faymann der „Weg echten demokratischen Alltags nicht so leicht zu gehen“ sei. Fein formuliert. Wenn die Regierung nicht tut, wie die „Krone“ will, ist Schluss. Dichand entzieht Faymann das vorübergehend ausgesprochene Vertrauen.

Und der Pröll Erwin? Würde wollen. Wollte auch schon mal, im Jahre 2003, wurde damals aber als Kandidat fürs Präsidentenamt ausgebremst vom Parteichef Wolfgang Schüssel. Dann wurde es Fischer, und Fischer ist beliebt in der Bevölkerung, über sechzig Prozent sähen ihn momentan gerne wiedergewählt. Was treibt Dichand? Alterstorheit? Keine Spur. Aber doch ein ungesunder Größenwahn. Zuletzt nämlich ist die „Krone“ als Wahlkampfblatt des tendenziell linken EU-Kritikers Hans-Peter Martin in Erscheinung getreten. Martin bekam als Ich-AG fast achtzehn Prozent und drei Mandate für Brüssel. Dichand hatte wieder einmal gewonnen mit einem, der „gegen die da oben“ ist, und notierte, Martin habe „den Sieg ja auch für die ,Krone’ erreicht“. Seltsamstes Österreich. Mirko Weber

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