PORTRÄT HARALD CHRIST BERLINER SPD-SCHATZMEISTER: „Ich bin : keine Heuschrecke“

Ulrich Zawatka
Foto: Mike Wolff Foto: Mike Wolff
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Er ist ein Banker und Unternehmer wie aus dem Bilderbuch. Auch zum Landesparteitag der Berliner Sozialdemokraten am Samstag, auf dem luftige Freizeitkleidung das Bild bestimmte, kam Harald Christ im tadellos sitzenden schwarzen Anzug. Die Genossen haben ihn neugierig beäugt. „Ach, so sieht der Neue aus!“ Aber sie wählten ihn widerspruchslos, sogar mit einem guten Ergebnis (73 Prozent der Stimmen), zum Landesschatzmeister der SPD. Vorher hatte der Sprecher der Parteilinken, Mark Rackles, die momentan sehr soliden Parteifinanzen verwaltet. Jetzt kümmert sich ein 38-jähriger Millionär um das Geld der Regierungspartei.

Eine ungewöhnliche Entscheidung. Denn der gebürtige Wormser, dem der gemütliche Zungenschlag der Pfälzer nicht vollends abhanden gekommen ist, wirkt auch nach zwei Jahrzehnten SPD-Mitgliedschaft irgendwie fremd in seiner Partei. Und Christ sieht sich immer noch gezwungen, wie auch bei der Vorstellungsrunde auf dem Parteitag, das eigene Bild zurechtzurücken. „Ich bin mittelständischer Unternehmer, kein Finanzinvestor und erst recht keine Heuschrecke.“

Harald Christ hat 1989 als Industriekaufmann bei den Stadtwerken Worms angefangen, sich für das Bank- und Versicherungsgewerbe fortgebildet und über diverse Leitungsjobs bei Bausparkassen zum Marketing-Direktor der Deutschen Bank hochgearbeitet. Er wurde zum Spezialisten für Kapitalanlagen, wechselte zum Finanzdienstleister HCI und zur Westdeutschen Landesbank, um 2007 in Berlin Generalbevollmächtigter der Weberbank zu werden. Weil ihm der Weg in den Vorstand verwehrt blieb, verließ er die Bank wieder und konzentriert sich seitdem auf die selbst gegründete Unternehmensgruppe Conomus Treuhand AG.

Wie andere Sozialdemokraten, die weit nach oben wollten und wollen, kommt Christ aus einer Arbeiterfamilie. Bevor sich der gute Freund Klaus Wowereits endgültig in Berlin niederließ, kümmerte er sich in der Hamburger SPD zeitweilig um die Parteifinanzen. Etwas bekannter wurde Christ, als er vom SPD-Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier 2009 ins Wahlkampfteam berufen wurde. Vorher war er auch schon als möglicher Finanzsenator in Berlin im Gespräche. Am Wochenende beeilte sich Christ aber zu sagen, dass er außer der Schatzmeisterei „keine weiteren Ämter und Mandate“ anstrebe. Aber er will der Wirtschaftspolitik der Sozialdemokraten auf die Beine helfen. Ulrich Zawatka

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