• PORTRÄT HARALD RANGE GENERALSTAATSANWALT :: „Bei schweren Taten schieben wir sofort ab“

PORTRÄT HARALD RANGE GENERALSTAATSANWALT : : „Bei schweren Taten schieben wir sofort ab“

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Foto: dapd
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Der Festakt zum Abschied für Monika Harms lief noch, da richtete sich die Aufmerksamkeit auf einen der Gäste. Harald Range, Chef der größten niedersächsischen Generalstaatsanwalt Celle, soll neuer Generalbundesanwalt in Karlsruhe werden. Der mögliche Anwärter schwieg; er wäre eine sichere Lösung – und eine aus Verlegenheit. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte zuvor mitansehen müssen, wie ihr Kandidat Johannes Schmalzl erst von der Opposition demontiert wurde und sich dann mit einer beleidigten E-Mail an seinen ärgsten Widersacher, Brandenburgs Generalstaatsanwalt, selbst aus dem Rennen nahm.

Range wird keine unbedachten Mails schreiben. Er ist, anders als Schmalz, den Vierzigern längst entwachsen, einem Alter, in dem Männer, auch erfolgreiche, offenbar noch leicht zu kränken sind. Zu seinem Zehn-Jahres-Jubiläum in Celle Anfang des Jahres witzelte der damals noch 62-Jährige bereits über seinen Ruhestand. Weil ihm die parteigemäße Jugendfrische abgeht, wird die Personalakte des FDP-Mitglieds auf Leutheussers Schreibtisch auch zunächst weiter nach unten gerutscht sein.

Dabei sind gute Ideen keine Frage des Alters. Range hatte eine, als er Strafverfolger aus anderen Fußballländern 2006 zum WM-Stadion nach Hannover lud. Hooligans sollten mit deren Hilfe sofort abgeschoben werden können. Rechtspolitisch machte er auch in der Korruptionsbekämpfung von sich reden. Idealtypisch an ihm erscheint seine quellklare Justizkarriere als Richter und Staatsanwalt, mit einer Station in Niedersachsens Justizministerium. Das hatte man bei Schmalzl bemängelt. Verzichtet die SPD diesmal darauf, ihre Macht im Bundesrat zu testen, gilt dessen notwendige Zustimmung als Formsache.

Derweil leitet Rainer Griesbaum Deutschlands oberste Anklagebehörde, ein abwägender, sehr profilierter Ermittler, der schon im Verfahren gegen die RAF-Terroristen in Stuttgart-Stammheim die Anklage vertrat. Als Leiter der zuständigen Abteilung kennt sich kaum jemand besser mit islamistischem Terror aus. Mit kurzer Unterbrechung ist er, mit 63 Jahren in Ranges Alter, seit fast 30 Jahren bei der Behörde beschäftigt. Er kann nicht nur Terroristen jagen, sondern auch gut auf Podien darüber reden. Er wäre wohl auch ein guter Kandidat für die Harms-Nachfolge gewesen. Nur hat er den für einen künftigen politischen Beamten offenbar unüberwindbaren Nachteil, parteilos zu sein. Jost Müller-Neuhof

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