Porträt Harald Schmidt - Schauspiel-Rückkehrer : "So schnell geht es nicht bei vielen"

Er will wieder arbeiten. Ernsthaft, als Mitglied im Ensemble des Stuttgarter Schauspiels. Schon für den 25. Oktober ist die Premiere des Hamlet-Musicals „Der Prinz von Dänemark“ von und mit Harald Schmidt geplant. Er werde als Geist durch die Show spuken, hieß es.

Joachim Huber

Jetzt, mit 50, sagt Schmidt Stop zu einem vorgezogenen Lebensabend mit der wöchentlichen ARD-Show „Schmidt & Pocher“, Auftritten als Galan im ZDF-„Traumschiff“ und überschaubaren Theaterengagements – weil er eine Lebenslinie für sich als Künstler sieht. So sagt das der in Nürtingen Aufgewachsene nicht, als Ironiker sagt er es so: „Ich habe nur 30 Jahre gebraucht, um nach der Schauspielschule in Stuttgart festes Ensemblemitglied zu werden. So schnell geht es nicht bei vielen.“ Trotz Heimkehr, trotz Ensemble, Schmidt wird sein eigener Kosmos bleiben: In seinem sehr erfolgreichen Liederabend „Elvis lebt. Und Schmidt kann es beweisen“ ist er Autor, Sänger, Conferencier, Schauspieler, Direktor. Also keine Rückkehr zu den Kleinstrollen seiner Anfangszeit – 1981 zweiter Mameluk in der Augsburger Inszenierung von Lessings „Nathan dem Weisen“ –, keine Bühnenklassiker wie „Warten auf Godot“ in Bochum 2002. Schmidt, als Schauspieler nicht der schlechteste, hat bekannt, welch ungeheuren Respekt er vor den Granden dieses Fachs hat, und weil er das weiß, bewirbt er sich nicht um die zum Vergleich herausfordernden Heldenrollen, sondern er schreibt die Schmidt-Rolle weiter fort. Nicht Schmidt versucht es noch mal mit dem Theater, sondern das Theater versucht es noch mal mit Schmidt.

So wohlhabend der vierfache Familienvater über seine Late-NightTalks für Sat 1 und ARD, über Werbung und Tralala geworden ist, so scheint es ihn intellektuell nicht auszureizen. Der bekennende Katholik und Sohn von Heimatvertriebenen ist ein Bildungsbürger par excellence. Das versteckt er gerne hinter Tonnen von Quatsch und lauten Sprüchen, wenn eine „Lady Bitch Ray“ in seiner ARD-Show Platz nimmt. Schmidt ruft „Doktor Fotze“, findet’s vielleicht wunderbar, aber will er wirklich mit 50 plus den minimalistisch-billigen Agent provocateur fürs öffentlich-rechtliche Publikum geben?

Jede Tür, die Schmidt für sich öffnet, hat eine Hintertür. Also bekennt er: „Ich fände es toll, wenn durch solide Leistung von mir im Ensemble das Fernsehen auf mich aufmerksam würde.“ Harald ist ein Hinterfotz. Und Schmidt kann es beweisen. Joachim Huber

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