PORTRÄT HEIKO MAAS SPD-CHEF IM SAARLAND: : „Neuwahlen sind nicht vom Tisch“

Volker Hildisch
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Heiko Maas, der SPD-Landesvorsitzende im Saarland, kann es sich leisten, zu pokern: „Wir wissen zwar, dass die CDU eine große Koalition will. Aber ob sie eine mit uns kriegt, ist eine andere Frage.“ Es muss ein erhebendes Gefühl sein für den 45-Jährigen, der seit elf Jahren Parteivorsitzender ist und in drei Anläufen als Spitzenkandidat um das Amt des Ministerpräsidenten gegen den CDU-Mann Peter Müller scheiterte. 2009 wähnte er sich bereits im Ziel, Rot-Rot-Grün hätte rechnerisch eine Mehrheit gehabt. Da sprangen die Grünen in letzter Minute ab und gingen mit CDU und FDP die bundesweit erste Jamaika-Koalition ein.

Bereits damals prognostizierte Maas, dass die Koalition keine fünf Jahre halten werde. Er hat recht behalten. Und Maas erfuhr es noch vor den Ministern von FDP und Grünen, dass die seit August 2011 amtierende Nachfolgerin von Peter Müller, Annegret Kramp-Karrenbauer, diese Koalition platzen lassen will. Mit dem Abtritt des Erzrivalen Müller war die über Jahre gestörte Kommunikation zwischen den Spitzen von CDU und SPD plötzlich wieder in Gang gekommen. Bereits im Zuge einer Polizeireform der Landesregierung, der die SPD ohne Wenn und Aber zustimmte, fragten sich Beobachter, ob sich da eine große Koalition anbahnt. Doch so einfach wird es für Maas nicht werden. In den vergangenen Monaten, als die Querelen in der Jamaika-Koalition immer offenkundiger wurden, hatte die SPD noch Neuwahlen gefordert. Und die Jusos beharren jetzt darauf. Neuwahlen sind laut Maas zwar „nicht vom Tisch“, er hat aber sogar den Altlinken Ottmar Schreiner auf seiner Seite bei den Sondierungsgesprächen mit der CDU.

Es wird jetzt darauf ankommen, wie Maas den Schwenk der Basis vermitteln kann. Er will deswegen parallel zu den Sondierungsgesprächen mit der CDU durch die Kreisverbände reisen und sie über die Ergebnisse auf dem Laufenden halten. Ein Marathonprogramm, aber vielleicht auch die letzte Chance für Maas, doch noch mal auf die Regierungsbank zu wechseln. Dort saß der Zögling von Oskar Lafontaine 1998 zum ersten Mal als 32-Jähriger. Dann schmiss Lafontaine hin und gründete später die Linke – die SPD im Saarland musste seit 1999 die Oppositionsbänke drücken. Maas bewies Ausdauer, vielleicht hat ihn auch sein Hobby über die Zeit gerettet: In seiner Freizeit hat der Vater von zwei Kindern bereits an mehreren Triathlon-Wettbewerben teilgenommen. Volker Hildisch

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