PORTRÄT HERMANN SCHEER, SPD-POLITIKER : "Das Kapitel Schattenkabinett ist abgehakt"

Er sollte hessischer Wirtschaftsminister werden. Im Team des neuen SPD-Spitzenkandidaten, Thorsten Schäfer-Gümbel, ist Hermann Scheer nun nicht mehr vertreten. Ganz ohne Posten ist er trotz der Hessen-Pleite dennoch nicht.

Christian Tretbar

Seine Fans nennen ihn „Sonnenpapst“. Schließlich hat sich in der SPD kaum jemand stärker für das Thema erneuerbare Energien eingesetzt als Hermann Scheer. Dafür hat der 64-Jährige viel Ehre bekommen. Preise auch. Den „Alternativen Nobelpreis“ zum Beispiel. Aber Anerkennung? Man wird den Eindruck nicht los, als versuche er, für sein Renommee die passende Stelle zu bekommen.

Scheer selbst bestreitet das. Natürlich gehe es ihm um Inhalte. Deshalb habe er sich so im hessischen Wahlkampf engagiert. Und deshalb habe er auch Umwelt- oder Wirtschaftsminister werden wollen. Andrea Ypsilanti, die hessische SPD-Chefin, hat ihr Schicksal eng mit Scheer, Mitglied im SPD-Bundesvorstand, verknüpft. Er war ihr Mentor. Als Mann von Welt hat er der hessischen SPD den Weg weisen wollen.

Bei Ypsilanti hat es funktioniert. Sie schien berauscht von ihm. „Ohne ihn kann ich das nicht machen“, soll sie in den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen gesagt haben. Statt ihren Rivalen Jürgen Walter zum Wirtschaftsminister zu ernennen, wie er sich das vorgestellt hatte, entschied sie sich für Scheer. Das Umweltministerium ging an die Grünen.

Der Rest ist bekannt. Walter war nicht mehr einzubinden und stieg aus. Zusammen mit drei anderen SPD-Abgeordneten ließ er das Projekt rot-grüne Minderheitsregierung platzen. Und die Beinahe-Ministerpräsidentin konnte Scheer nur zum Beinahe-Wirtschaftsminister machen. Dabei soll er schon seine neue Dienstwohnung inspiziert und auf eine Dusche im Schlafraum bestanden haben. Daraus wird nun nichts. Im Team des neuen SPD-Spitzenkandidaten, Thorsten Schäfer-Gümbel, ist Scheer nicht mehr vertreten. „Das Kapitel Schattenkabinett ist abgehakt“, erklärt Scheer. Aus freien Stücken, sagt er. Auch Schäfer-Gümbel sagt das.

Man muss nicht alles davon glauben. Ganz sicher ist, dass auch etliche Genossen in Hessen aufatmen. Scheer, der mit tiefer Raucherstimme Vorträge zu halten pflegte, war ihnen stets zu dominant. Und auch aus Berlin dürfte Schäfer- Gümbel eher den Rat bekommen haben, sich von dem Import zu trennen: Schließlich ist weniger Scheer auch weniger Ypsilanti.

Scheer wird 2009 wieder für den Bundestag kandidieren, wo er seit 1980 sitzt. Ganz ohne Posten ist er trotz der Hessen-Pleite nicht. Vorsitzender des Weltrats für erneuerbare Energien bleibt er, ehrenamtlich. 

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