PORTRÄT HERMAN VAN ROMPUY EU-RATSCHEF: : „Die Arbeit ist noch nicht beendet“

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Im Blitzlichtgewitter verlassen Prinz Philippe und Prinzessin Mathilde die Brüsseler Oper und fahren mit Polizeieskorte davon. Das Spiel wiederholt sich mit Polens Präsident Komorowski, der zur Feier der EU-Präsidentschaft seines Landes in die „Monnaie“ geladen hat. Schließlich kommt ein weiterer Mächtiger aus dem Gebäude, unbehelligt von den Fotografen: EU-Ratschef Herman Van Rompuy schlendert einige Meter durch die Altstadt, wo sein Fahrer auf ihn wartet.

Der 63-jährige Belgier war keine naheliegende Wahl, als vor bald zwei Jahren ein ständiger EU-Ratsvorsitzender gesucht wurde. Tony Blair wurde gehandelt, auch Jean- Claude Juncker aus Luxemburg – doch Belgiens weithin unbekannter Premier machte das Rennen. Der stille Herman Van Rompuy, so die Lesart, würde den Staats- und Regierungschefs nicht die Show stehlen. Auf den ersten Blick mag es so erscheinen, als sei diese Rechnung voll aufgegangen. Merkel und Sarkozy bestimmen in der Krise, wo es langgeht. Doch ihn auf einen Grüßaugust zu reduzieren, täte diesem flämischen Schöngeist, der in seiner Freizeit am liebsten Gedichte im japanischen Haiku-Format verfasst, aber Unrecht. Er kann Philosophie, die großen europäischen Denker zitiert er, ohne sie vorher googeln zu müssen – das verdankt er dem Studium an der Katholischen Universität von Leuven. Und er kann Ökonomie, was in diesen Zeiten kein Nachteil ist – er legte 1971 einen Master in Betriebswirtschaftslehre nach.

Herman Van Rompuy ist in Brüssel ein stiller Machtfaktor geworden. Das lässt sich am besten daran ablesen, dass EU-Kommission und Europaparlament ihren Einfluss schwinden sehen, da die Mitgliedstaaten immer mehr unter sich regeln. Kommissionschef Barroso ruft trotzig „Die EU-Kommission ist die Wirtschaftsregierung“, doch für deren Führung haben Merkel und Sarkozy längst Van Rompuy ausersehen.

Von seinem Büro aus blickt Herman Van Rompuy auf eine Baustelle. Neben dem Ratsgebäude entsteht gerade für 290 Millionen Euro ein extravaganter eiförmiger Glaspalast, wo von 2014 an die EU-Ratsvorsitzenden residieren sollen. Aber auch Europa selbst ist eine Baustelle, und es wird wohl auch von diesem Wochenende abhängen, wie der Kontinent in drei Jahren verfasst sein wird. Herman Van Rompuy schließt nicht aus, dass er den Job noch einmal zweieinhalb Jahre machen würde, „weil die Arbeit nicht beendet ist“. Christopher Ziedler

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