PORTRÄT HOWARD DAVIES EX-DIREKTOR DER LSE: : „Wir brauchen uns nicht zu schämen“

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Foto: promo
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Vor zehn Jahren trat Howard Davies als Chef der britischen Finanzaufsicht zurück, um Direktor der renommierten London School of Economics (LSE) zu werden und alle bescheinigten ihm eine „beeindruckende Karriere“. Überall war er dabei: Oxford und Stanford, McKinsey und das britische Schatzamt. Er war Beamter und Diplomat, Chef des Unternehmerverbands, Mitglied im Zentralbankrat, saß in den Aufsichtsgremien der großen Museen und im Stadion, wenn sein Club Manchester City spielte. Ihm stellte die Queen ihre berühmte Frage zur Finanzkrise: „Warum hat es niemand gemerkt?“ Worauf er ein Buch darüber schrieb.

Gestern trat Davies zurück, weil die Verstrickung seiner Hochschule in die Affären des libyschen Diktators Gaddafi die Reputation der LSE beschädigt hat. Studenten hatten sein Rektoratszimmer gestürmt und Transparenz gefordert. Die soll nun eine unabhängige Untersuchung schaffen. Schämen müsse sich die Elite-Uni nicht, sagte Davies: „Aber so löblich unsere Absichten gewesen sein mochten, im Licht der jüngsten Entwicklungen in Libyen sind die Konsequenzen mehr als unglücklich.“ Dass seine Uni in der Bredouille war, wusste Davies in dem Moment, als der LSE-Doktorand Saif Gaddafi im libyschen Fernsehen seine mittlerweile berüchtigte „Bis zum letzten Blutstropfen“-Ansprache hielt und so anders klang als bei seinem Festvortrag über Demokratie und „soft power“ in der LSE.

Die LSE hatte nicht nur eine Gaddafi-Spende über 1,5 Millionen Pfund angenommen und 300 000 Pfund davon bereits ausgegeben, sondern dem Sohn des Diktators einen möglicherweise unverdienten Doktortitel verliehen. Sie hatte sogar eine Art Ausbilder- und Beratervertrag mit dem libyschen Regime unterzeichnet und kassierte dafür 2,2 Millionen Pfund. Davies selbst war Teil des Stroms von LSE-Honoratioren, die im Laufe der Jahre den Weg nach Tripolis fanden. Für finanzielle Beratung kassierte er im Namen der Schule 50 000 Dollar.

Nun sieht er die Deals der LSE mit dem Gaddafi-Regime als einen „persönlichen Irrtum“. Dabei hatte es an Warnungen nicht gefehlt – zum Beispiel vom renommierten Nahostexperten der LSE, dem inzwischen verstorbenen Arabisten Fred Halliday. Als die an der FSE niemand hören wollte, schrieb er einen Artikel über das libysche „Kleptokraten-Regime“: Libyen, warnte er, sei eine „ernüchternde Lektion in der Politik der Illusionen“. Matthias Thibaut

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