PORTRÄT HUBERT ULRICH GRÜNEN-KANDIDAT IM SAARLAND: : „Wir sind die Königsmacher“

Er hat auch schon einmal Joschka Fischer widersprochen: Nach Sonntag wird es im Saarland vermutlich keine Regierung ohne ihn geben

Stephan Haselberger
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Foto: ddpddp

Hätte Oskar Lafontaine einen Wunsch frei, dann erginge es Hubert Ulrich am Sonntag bei der Wahl zum saarländischen Landtag wie einem Dackel vor der Metzgerei: Der 51-jährige Fraktionschef und Spitzenkandidat der Grünen müsste leider draußen bleiben.

Unermüdlich warnt Linksparteichef Lafontaine die Wähler aus dem linken Spektrum vor einer Liaison der Grünen mit der CDU: Wer an der Saar für die Grünen stimme, werde sich hinterher schwarz ärgern, mahnt der ehemalige Ministerpräsident. Zum Glück für Ulrich sieht es derzeit aber nicht danach aus, als lasse sich die Grünen-Klientel von Lafontaines Kampagne beeindrucken.

In den Umfragen werden Ulrichs Partei sechs Prozent vorhergesagt. Und die könnten entscheidend sein. Denn die Meinungsforscher prognostizieren zugleich ein Patt zwischen Union und FDP auf der einen und SPD und Linkspartei auf der anderen Seite. „Wir sind die Königsmacher“, sagt Ulrich.

Wen die Grünen im Ernstfall zum Ministerpräsidenten machen würden – SPD-Herausforderer Heiko Maas oder Amtsinhaber Peter Müller von der CDU – lässt Ulrich vorsichtshalber offen. Zwar würde er Maas bevorzugen – allerdings nur, wenn der SPD-Mann mit einer Ampelkoalition mit Grünen und FDP regieren könnte.

Rot-Rot–Grün hält Ulrich dagegen für „ebenso schwierig“ wie eine Jamaika-Koalition seiner Partei mit FDP und CDU: „Das wäre die Wahl zwischen Pest und Cholera.“ Gegen Rot-Rot-Grün spreche unter anderem das Festhalten der Linken am Steinkohlebergbau, gegen Jamaika die Pläne der CDU für ein Kohlegroßkraftwerk.

Es wäre ein Fehler, sollten mögliche Verhandlungspartner die Härte des gelernten Werkzeugmachers in der Kohlefrage unterschätzen. Dass Ulrich an diesem Punkt wenig Bereitschaft zum Kompromiss zeigt, mussten schon ganz andere erfahren.

Von 2002 bis 2004 saß der Wirtschaftsingenieur für die Saar-Grünen im Bundestag. Als der damalige Kanzler Schröder in der rot-grünen Koalition für das Jahr 2004 mehrere Milliarden an zusätzlichen Subventionen für den deutschen Steinkohlebergbau durchdrückte, stimmte Ulrich gegen den Haushalt der eigenen Regierung. Nicht einmal dem Ober-Grünen Joschka Fischer war es gelungen, ihn auf Linie zu bringen. „Es gibt eben Grundüberzeugungen, die man um der Macht willen nicht opfern kann“, sagt Ulrich. Stephan Haselberger

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