Porträt Hugo Egon Balder : „Es wird sich hier keiner zu Tode saufen“

Hugo Egon Balder ist ein Veteran des Lustig-Fernsehens. Jetzt arbeitet er für Tele 5. Beim Talk "Der Klügere kippt nach" sitzen fünf Personen um einen Tisch, sie trinken und reden

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Hugo Egon Balder, Fernsehmoderator und Prozent, Musiker und Schauspieler
Hugo Egon Balder, Fernsehmoderator und Prozent, Musiker und SchauspielerFoto: dpa

Hugo Egon Balder steht nicht für kompliziertes Formatfernsehen. Er ist Unterhalter. Bei „Tutti Frutti“, der Oben- Ohne-Show des Kommerzsenders RTL, waren zwei Dinge quotenentscheidend: die Brüste junger Frauen und Balder, der beauftragt war, dass möglichst viele Brüste freigelegt werden. Das gelang. Ebenso gelang die von ihm selbst konzipierte Rateshow „Genial daneben“: Fünf Comedy-Kollegen suchten nach Begriffen, die Zuschauer eingereicht hatten.

Das war wirklich komisch, und weil es das war, sucht Balder nun die Fortsetzung. Wieder sind Hella von Sinnen, Wigald Boning und Balder selbst mit von der Partie. Es sitzen also fünf Personen um einen Tisch, die Kameras des Privatsenders Tele 5 halten live drauf, Aktuelles liefert die Stichworte. Bier, Wein, Schnaps befeuern die Runde. Fertig ist die Fernsehshow „Der Klügere kippt nach“. Wenn’s dem Publikum von Ostermontag an gefällt, wird weiter getalkt und getrunken. Wenn nicht, nicht.

Ein Veteran des Lustig-Fernsehens

Hugo Egon Balder, Moderator, Produzent und Musiker aus Berlin, ist 64 und ein Veteran des Lustig- Fernsehens. Trotzdem, bei aller Erfahrung, auch ein Egon Hugo (so der richtige Vorname) weiß erst hinterher, warum was geklappt hat. Auch bei sich selbst: ging nicht gerne zur Schule, beschäftigte sich mit Schauspielerei und Musik. Gründete mit 17 die Band „Birth Control“, studierte Grafik und Kunst, nahm Schauspielunterricht. Erstmals beruflichen Halt bekam er als Ensemblemitglied des Düsseldorfer „Kom(m)mödchens“ (1985 bis 1989); dann, als das Privatfernsehen begann, war Balder unter den Profiteuren der ersten Stunde. Auf der aufkommenden Comedy-Welle surfte er gekonnt mit, Erfolge mischten sich mit Misserfolgen („Fata Morgana – die wüste Orientshow“), mal war er Moderator, dann Produzent, er schauspielerte sich durch und inszenierte schauderhafte Filme wie „Silvias Bauch – 2 Männer und (k)ein Baby“. Egal, Balder hatte immer mehr auf der Habenseite und obendrein Preise eingeheimst.

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz sendete das ZDF „Mit dem Mut der Verzweiflung“, eine Doku über das Schicksal von fünf Häftlingen, darunter der Mutter von Hugo Egon Balder. Er führte durch die Sendung, berührend ohne aufgeschminkte Betroffenheit. Balder geht mit Familie und Biografie nicht hausieren. Und doch weiß der Sohn einer jüdischen Mutter zu unterscheiden, was im Leben wichtig ist – und was im Fernsehen. Joachim Huber

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