PORTRÄT IAN KIRU KARAN UNTERNEHMER IN HAMBURG: : „Diese Brücke möchte ich bauen“

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Das ist mal ein Coup. Eben noch beklagt der scheidende Hamburger Bürgermeister von Beust, dass in seiner Stadt die Reichen zu protzen begännen und nichts geben wollten – da widerlegt er sich selbst. Beust hat Ian Kiru Karan gewinnen können, Wirtschaftssenator unter seinem Nachfolger Ahlhaus zu werden. Karan ist ein charmanter, weltläufiger, erfolgreicher Unternehmer, und dazu mit dem Hamburg, das sich öffentlich fein zurückhält, so gut vernetzt wie ein „geborener“ Hamburger. Das wiederum sind die, die seit Generationen Bürger dieser Stadt sind – die höchste Stufe des Hamburger-Seins.

Karan, 71, ist seit 40 Jahren in der Stadt. Waise aus dem heutigen Sri Lanka, kam er über Großbritannien nach einem Studium an der London School of Economics nach Hamburg. Angefangen hat er, buchstäblich, als Tellerwäscher in einem vegetarischen Restaurant. Er war auch Abteilungsleiter bei Schenker, mit einem VW-Käfer als Dienstwagen. Reich geworden aber ist er mit dem Vermieten von Containern. 400 Millionen Dollar beträgt gegenwärtig das Gesamtinvestitionsvolumen der eigenen und der von ihm verwalteten 500 000 Container. Seine älteste Tochter ist dabei mit an Bord. Karan, der Container-König, hat vier Kinder.

Tennis zu spielen oder Zeitung zu lesen und sich über alles zu ärgern, das ist doch kein Leben – so denkt Karan und hat sich, als Christ, engagiert. Mit Millionen. Das Projekt Elbphilharmonie unterstützt er, den HSV, ein Projekt „Bildung gegen Kriminalität“, ein Hospiz, die Jerusalem Foundation – die Liste ist sehr lang. Und Zeitungen an Schulen zu bringen, hält er für besonders wichtig.

Karan lebt die alten Tugenden. Luxus darf auch sein, aber nicht so, dass es abstößt. Sein Credo: Wer ein Leben hat wie er und nicht an die denkt, die nichts haben, ist kein guter Mensch. So erklärt sich auch, dass er es als Ehre empfindet, von der Politik gefragt worden zu sein. Sein Lieblingslied ist „Bridge Over Troubled Water“, und er sagt: „Diese Brücke möchte ich bauen.“ Seine Familie lässt ihn, seine Freunde haben zugeraten.

Kein Wunder, dass so einer mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird (er hat es angenommen; nur ganz alte Hamburger haben das aus Tradition nicht getan). Dass er im Juli 2009 von Kanzlerin Angela Merkel aufgefordert wurde, nun endlich die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, hat ihn aber noch mehr gefreut. Merkel ist doch gebürtige Hamburgerin. Stephan-Andreas Casdorff

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