Porträt : "Ich bin der letzte deutsche Entertainer"

Thomas Gottschalk steht für die große Unterhaltung am Samstagabend. Ob diese dann gefällt oder auch nicht, fest steht: Viele aus seinem Metier gibt es nicht mehr.

Tim Klimeš

Die Quoten waren mies – für die Verhältnisse, wohlgemerkt. Denn 10,28 Millionen Zuschauer sind noch immer ein Traumwert im deutschen Fernsehen. Aber nicht, wenn es um „Wetten, dass ..?“ geht. Mit rund 33 Prozent Marktanteil lag die ZDF-Show am Samstagabend vor allen anderen – doch hinter den eigenen Erwartungen. Schließlich gab es schon Sendungen, bei denen die halbe Fernsehnation zuschaute.

Verantwortlich dafür soll jetzt Thomas Gottschalk sein. Gerecht ist das nicht. Denn es ist das Konzept von „Wetten, dass ..?“, das überholt ist, nicht der Moderator. „Wetten, dass ..?“ war einmal das samstägliche Hochamt in deutschen Wohnzimmern, ein ewiger Fels in der Trash-Brandung des „Scheiß-Privatfernsehens“ (Günther Oettinger). Eingemummelt im Kapuzenbademantel, schaute man den Wetten zu, wie es Florian Illies in seinem Buch „Generation Golf“ beschrieb. Da durften sogar die Kleinen länger aufbleiben. Ausnahmsweise. Der „Tommy“, der machte das so schön.

Viel geändert hat sich an Gottschalk über die Jahre nicht. Seit 1987 schon moderiert er das Format und galt einmal als der letzte deutsche Showgigant. Der, der Hollywood nach Deutschland holte, der zwar irgendwie komisch, aber originell gekleidet, die Weltstars empfing. Und heute? Heute gilt Gottschalk als der Haribo-Onkel, der in lächerlicher Kleidung aufläuft und die Weltstars begrapscht. Nicht mal mehr die Witze wollte das ZDF ihm irgendwann überlassen. Und einen „Ghostwriter“ engagieren.

Wer jetzt ehrlich wäre, würde nicht die Fernsehfigur Gottschalk zu Grabe tragen, sondern seine Show. Das Problem liegt weder in des Moderators Kleidung noch in seiner Grapschwut. Es liegt im Kern der Sendung, es liegt an den Wetten. Wenn sich bei Pro Sieben Stefan Raab allwöchentlich neu erfindet und im Wok den Eiskanal herunterrutscht oder RTL den Großinquisitor Bohlen seine Verbalkeule schwingen lässt, dann hat das alles mehr Witz als der zwanzigste Bagger, der im ZDF-Wettstudio auf einem rohen Ei balanciert, oder der hundertste Bub, der das Telefonbuch von Bottrop auswendig aufsagt. Dafür kann Gottschalk nichts. Das macht kein Zuschauer mit. Tradition hin oder her.

„Ritualisierte Zeittotschlägerei“ nannte „Spiegel online“ einmal das, wofür „Wetten, dass ..?“ zuletzt stand. Leider ist es nicht mehr nur die einzelne Sendung, es ist das Format, das überzieht. Schon ein paar Jahre.

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