PORTRÄT : „Ich hatte versucht, Parkinson zu ignorieren“

Der Kabarettist Ottfried Fischer hat Parkinson. Vor vier Jahren bereits hatte er seine Krankheit öffentlich gemacht. Jetzt kündigt er an, zum Ende des Jahres mit seiner Sendung aufzuhören.

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Sein erstes Soloprogramm 1989 hieß „Schwer ist leicht was“. Aber wie schwer was werden kann, das hat Ottfried Fischer am eigenen, mächtigen Leib erfahren. Im Februar 2008 hatte der Niederbayer seine Parkinson-Krankheit öffentlich gemacht. Jetzt, vier Jahre später und mit 58 Jahren, erklärte der Kabarettist, dass er Ende des Jahres aufgibt, „Ottis Schlachthof“ aufgeben muss. 17 Jahre und 170 Ausgaben lang war Fischer Gastgeber für gestandene Mitstreiter und Nachwuchskräfte, darunter Helmut Schleich, Urban Priol, Luise Kinseher. Die Sendung im Bayerischen Fernsehen war eine Marke, ein Magnet, immer ein Jahr im voraus ausverkauft.

„Bis zuletzt habe ich versucht, den Kollegen Parkinson zu ignorieren“, sagte Fischer. Beim Film und auf der Bühne könne man dieser Krankheit trickreicher begegnen, „weniger da, wo’s die Schlagfertigkeit braucht“. Weiterhin, aber entschleunigt werde er Programme schreiben, Bücher schreiben, auch Filme produzieren. „Keine Angst, Sie entkommen mir nicht.“

„Ottis Schlachthof“ war Fischers Basis und immer wieder gesuchter Rückzugsort. Geboren auf dem Bauernhof Ornatsöd tief unten im Bayerischen Wald, heimatlich, gedanklich, mental fest verwachsen mit dem Publikum, das ihn auch auf Tourneen oder in der Lach- und Schießgesellschaft erleben konnte. Da war er weniger der Paradebayer, den das bundesweite Publikum mit und in ihm sehen wollte, als Seriendarsteller („Der Pfundskerl“), speziell als „Bulle von Tölz“, einer Mischung aus Heimatfilm und Krimi für Sat 1. Als Kriminalkommissar Benno Berghammer löste er Mordfälle in der oberbayerischen Kleinstadt, wie er es aktuell als Pfarrer Braun erledigt. Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Wolfgang Fierek, in dieser Reihe der weiß-blau grundierten, nicht aber getunten Schauspieler steht Ottfried Fischer.

Mehr ungewollt schaffte er es auch in die Promi-Spalten der Boulevardpresse. Testosterongesteuerte Eskapaden und Beziehungs-Extravaganzen führten zur Scheidung von seiner Frau (und Managerin) und zu einem anhaltenden Gerichtsstreit mit der „Bild“-Zeitung. Fischer hat das ausgehalten, er wusste zu nehmen, wie er als Kabarettist ausgeteilt hat. Als ordentlicher Linksdreher unterstützte er im Bundestagswahlkampf 2005 die Regierungskoalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So einer ist kein Bayern-Fan, der ist Anhänger des TSV 1860 München. Schwer ist leicht was. Joachim Huber

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