Porträt : „Ich muss nur das, was ich will“

Dieter Dombrowski ist der alte Haudegen der Brandenburger CDU. Dennoch könnte er als Nachfolger der gestürzten Fraktionschefin Saskia Ludwig versöhnend wirken.

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Sein Leitmotiv? Dieter Dombrowski überlegt einen Moment vor der Antwort: „Wenn mir jemand sagt: Du musst! Dann mache ich eher das Gegenteil. Wenn mich jemand bittet, dann schlage ich gerne ein.“ In seinem Leben habe er viel tun müssen. „Jetzt muss ich nur noch das, was ich auch will.“ Ja, so spricht Dieter Dombrowski, 61 Jahre, Katholik, verheiratet, zwei Kinder, noch CDU-Vizefraktionschef in Brandenburg und Generalsekretär der Landespartei. Nun will und soll er die gestürzte Saskia Ludwig als Fraktionschefin beerben, nachdem er hinter den Kulissen mithalf, den Wechsel einzufädeln.

Angepasst war er nie. Aufgewachsen ist er im Havelland, machte die Malerlehre und wurde 1974 wegen „versuchter Republikflucht“ und „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 20 Monate verbüßte, 16 davon im berüchtigten Stasi-Knast in Cottbus. Nach der Übersiedlung in den Westteil Berlins engagierte er sich in der Jungen Union und in der CDU. Er war nach dem Mauerfall deren erster Emissär im Roten Rathaus, ehe es ihn zurück ins Brandenburgische verschlug. Er wurde Anfang der 90er Jahre Landrat im Havelland und sitzt seit 1999 im Landtag. In der brandenburgischen CDU ist er der altgediente Haudegen. Er ist dienstältester Kreischef und dienstältestes Landesvorstandsmitglied. Das Ränkespiel beherrscht er perfekt und war bei allen Machtkämpfen dabei. Er hat viele Vorsitzende kommen und gehen sehen, bei einigen mitgeholfen, dass sie kamen und gingen. Inzwischen sei es anders in der CDU, sagt er. Die nötige Klärung habe nicht hinterm Rücken, sondern in offener Aussprache stattgefunden. Das Faszinierende an Dieter Dombrowski sei seine Geschmeidigkeit, heißt es über ihn. Ein Wechsel stets möglich.

Nach der rot-roten Regierungsbildung protestierte er bei der Vereidigung von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) im Häftlingsanzug gegen die Koalition mit früheren Stasi-Leuten. Er war es auch, der jüngst im Landtag wegen des BER-Debakels den Rücktritt von Platzeck als Regierungschef forderte. Und doch fehlt Dombrowski dabei jede Verbissenheit, jede ideologische Verbiestertheit. Er kann mit vielen, auch in der SPD, selbst bei den Linken. Und er wird versuchen, die CDU in Brandenburg wieder regierungsfähig zu machen, hart in der Sache, aber anders als seine Vorgängerin Saskia Ludwig nicht mehr verletzend im Ton. Thorsten Metzner

0 Kommentare

Neuester Kommentar