Porträt : "Ich vertrete kein Monster"

Der Anwalt des österreichischen Inzest-Vaters, Rudolf Mayer, im Porträt.

Markus Huber

Als am vergangenen Montag, gerade einmal 24 Stunden nachdem die Öffentlichkeit vom Inzestdrama in Amstetten Wind bekam, ein Anwalt die Bühne betrat, da hielt sich in Österreich die Überraschung in Grenzen. Der Wiener Staranwalt Rudolf Mayer wird Josef Fritzl verteidigen, und das ist nun wirklich keine Sensation: Mayer ist Spezialist für schwierige Fälle, vor allem für solche, die laut Mayer einen „psychiatrischen oder psychologischen Hintergrund haben“.

Das kann man vom Fall Fritzl wohl sagen, und insgesamt verwundert es auch nicht, dass Mayer bei Fritzl dessen Zurechnungsfähigkeit infrage stellt. Nachdem er mehrmals mit seinem Klienten Kontakt hatte, erklärte Mayer am Wochenende: „Ich glaube, mein Mandant gehört nicht ins Gefängnis, sondern in eine geschlossene Psychiatrie.“ Seiner Meinung nach wäre Fritzl „psychisch krank und damit unzurechnungsfähig“.

Der 60-jährige Mayer ist nicht nur einer der prominentesten Strafverteidiger des Landes, sondern auch einer mit besonders vielen Gesichtern. Kollegen bezeichnen ihn als „bunten Hund“: Der Mann, der in seiner Jugend als Eleve des Wiener Staatsopernballetts wirkte, war zunächst Kellner in mehreren In-Lokalen der Stadt. Danach arbeitete er für das Sozialreferat im Wiener Arbeiterbezirk Floridsdorf, später wurde er Bewährungshelfer. Mit Ende zwanzig war Mayer sogar Ensemblemitglied im Werkstatt-Theater am Kärntnertor. Das heute geschlossene Haus galt in den 70er Jahren als Keimzelle der Wiener Avantgardebühnen.

Zur Rechtswissenschaft kam Mayer erst relativ spät: Mit 29 Jahren begann er als Späteinsteiger sein Jurastudium. In seinem heutigen Job dürften ihm aber seine früheren Erfahrungen zu Hilfe kommen. Mayer ist vor allem dann als Anwalt hervorragend, wenn er vor Geschworenen und Laienrichtern antreten muss. Das dürfte ihm in der Causa Fritzl helfen, denn auch dieser Fall wird höchstwahrscheinlich vor einem Geschworenensenat abgehandelt.

Für Mayers Klienten wird allerdings viel davon abhängen, wie sich die öffentliche Meinung über den mutmaßlichen Täter entwickelt. Mayer erklärt deshalb bereits jetzt, dass er auf ein „faires Verfahren hoffe – schließlich vertrete ich kein Monster, sondern einen Menschen“. Einen Menschen, den Mayer vor Gericht raushauen muss. Auch dafür ist er übrigens bestens ausgebildet: In seiner Freizeit ist der Anwalt Mitglied eines Boxvereins. 

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