Porträt : "Ich werde ihnen die Wahrheit sagen“

Jean Sarkozy gleicht seinem Vater nicht nur optisch, sondern es gibt auch Sätze, die sie beide zu lieben scheinen.

Hans-Hagen Bremer

Die Ähnlichkeit ist frappierend. Wer Nicolas Sarkozy vor zwanzig Jahren gekannt hat, der fühlt sich beim Anblick seines Sohnes Jean unweigerlich an den heutigen Präsidenten Frankreichs erinnert, als der noch Bürgermeister des Pariser Vororts Neuilly war. Die jungenhafte, etwas schlaksige Haltung, die üppige Mähne, die unbekümmerte Art, sich Leuten zuzuwenden, Arme zu tätscheln und Wangenküsschen auszuteilen, darin gleicht der 21-Jährige ganz dem Vater in jungen Jahren. Von ihm hat er auch einen Hang zu Designerklamotten und luxuriösen Accessoires geerbt. Selbst die Art zu sprechen – „Das ist ganz einfach“ und „Ich werde ihnen die Wahrheit sagen“ – hat er dem Senior abgeguckt. Nur ein Unterschied fällt sofort ins Auge: Der Filius überragt den 1,65 Meter großen Präsidenten um glatte zwanzig Zentimeter.

Die Politik freilich pulsiert ebenfalls schon in seinen Adern. Eine Kostprobe seines Talents hat der Jüngling am vergangenen Wochenende abgegeben, als er die Fronde anführte, die in Neuilly, der langjährigen Hochburg des Präsidenten, zum Rückzug von David Martinon, dem Sprecher des Elysee-Palastes, als Spitzenkandidat der Regierungspartei UMP bei der Kommunalwahl im März führte. Gegen den Willen der lokalen UMP-Organisation hatte Sarkozy den unpopulären Martinon durchgesetzt und seinen Sohn beauftragt, ihm im Wahlkampf beizustehen. Als sich jetzt aber herausstellte, dass dem Mann des Präsidenten in „Sarko-Ville“ ein Desaster drohen würde, fiel dieser in Ungnade.

Was sich wie eine Palastrevolution ausnahm, war in Wirklichkeit ein vom Hausherrn des Elysee mit Hilfe seines Sohnes inszenierter Sturz. „Ich habe dir meine Stadt angeboten und meinen Sohn geschickt, und du packst es nicht“, soll der Präsident seinen Presse- Adlatus angeschnauzt haben. Vor diesem Eintritt ins öffentliche Leben hatte Jean Sarkozy, der zweite Sohn aus erster Ehe des Präsidenten, bisher allenfalls mit Schlagzeilen in den Gesellschaftsspalten der Gazetten von sich reden gemacht. Ein Verfahren wegen Fahrerflucht hängt ihm an, das von der Justiz ungebührlich in die Länge gezogen wird. Andererseits legte die Polizei ungewöhnlichen Eifer an den Tag, als es galt, seinen gestohlenen Motorroller wiederzufinden. Sein Jurastudium hat er hinter schauspielerische Ambitionen zurückgestellt, bis ihn der Vater seit vergangenem Herbst und eben kürzlich für politische Handlangerdienste einspannte.

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