PORTRÄT : "Ich werde meine Fahne nicht einrollen"

Der französische Sozialist Jack Lang hat zugesagt, Nicolas Sarkozy bei seiner Verfassungsreform zu beraten. Das bestätigt seinen Ruf, gerne im Rampenlicht zu stehen.

Hans-Hagen Bremer

Er hatte sich sogleich „geehrt und gerührt“ gezeigt, dann bat er sich Zeit zu „reiflicher Überlegung“ aus, wartete noch die Grundsatzrede von Nicolas Sarkozy zur Modernisierung der staatlichen Institutionen ab und nun steht sein Entschluss fest: Jack Lang hat die Einladung des Präsidenten angenommen. Er wird in der Kommission mitarbeiten, die bis zum Herbst Vorschläge zur Reform der Verfassung vorlegen soll. Diese Reform sei ein Kampf seines Lebens, begründete der frühere sozialistische Kulturminister seine Entscheidung. Jeder sei aufgerufen, seinen Beitrag zur Modernisierung der Republik zu leisten. Er trete ja nicht in die Regierung ein, sondern bleibe Abgeordneter der Opposition, der treu zu seinen Überzeugungen stehe. „Ich werde meine Fahne nicht einrollen“, versicherte er.

Lang hatte die Parteiführung der Sozialisten zwar sofort von Sarkozys Offerte unterrichtet, nicht aber damit gerechnet, dass sie nach dem Wechsel Bernard Kouchners und anderer Genossen zu Sarkozy so gereizt reagieren würde. Dass der Präsident den früheren Finanzminister Dominique Strauss-Kahn als Chef des Internationalen Währungsfonds vorschlug, nahm sie noch hin. Jede weitere Abwerbung würde jedoch zur Suspendierung von Parteiämtern führen, warnte Sozialistenchef François Hollande. Dem kam Lang zuvor. Er legte seine Parteiämter nieder und forderte den Vorstand zum kollektiven Rücktritt auf. Nur zwei Sozialisten nahmen ihn in Schutz, der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë und Manuel Vals, ein Angehöriger der aufstrebenden neuen Generation in der Partei, den Sarkozy übrigens ebenfalls, allerdings vergeblich, zu ködern versucht hatte.

Als Professor für öffentliches Recht wird Lang in die Kommission gewiss Kompetenz einbringen. In einem Buch skizzierte er 2005 eine Runderneuerung der Verfassung, die den Vorstellungen Sarkozys nahe kommt. Zudem steht der langjährige ehemalige Kulturminister ohnehin im Ruf, stets das Rampenlicht zu suchen. 1988 forderte er statt des Kulturressorts ein „großes Ministerium der Schönheit und Intelligenz“. 2000 ließ er die Stadt Blois, deren Bürgermeister er war, im Stich, um Stadtoberhaupt von Paris zu werden. Das scheiterte. Ebenso der Versuch, von den Sozialisten anstelle von Ségolène Royal gegen Sarkozy aufgestellt zu werden. Der Konkurrentin hatte er damals „jede Erfahrung“ für das hohe Staatsamt abgesprochen, dann aber nichts dabei gefunden, ihr im Wahlkampf als „Sonderberater“ zu dienen.

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