Porträt : „Ich wollte immer Polizistin sein“

Francois Hollande hat versprochen, mehr Posten mit Frauen zu besetzen. Und er hat sich daran gehalten. Auch sein Sicherheitschef ist nun eine Frau.

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Sophie Hatt ist die neue starke Frau Frankreichs. Zum ersten Mal ist der Sicherheitschef eines französischen Präsidenten eine Sicherheitschefin. Die 44-Jährige wird ein Team von etwa 60 Mitarbeitern leiten, die rund um die Uhr für den Schutz von François Hollande sorgen. Hollande hat sein Wahlversprechen gehalten und nicht nur mehrere Ministerposten mit Frauen besetzt, er vertraut auch sein persönliches Wohl einer Frau an.

Angefangen hat die dreifache Mutter 1993 bei der Pariser Polizeipräfektur. Der Aufstieg der durchtrainierten Elitepolizistin ging schnell. Sieben Jahre später, mit 32 Jahren, war sie schon für die Sicherheit des ehemaligen sozialistischen Premierministers Lionel Jospin verantwortlich und hatte das Kommando über 30 Leibwächter. Jospin hat sie Hollande empfohlen, weil er von ihr beeindruckt war. Der Ex-Premier wurde bei einem Auftritt in einer Universität im Westjordanland von Hunderten von palästinensischen Studenten mit Steinen beworfen. Sophie Hatt behielt einen kühlen Kopf, ihrem Team gelang es, Jospin schnell aus der Situation herauszuholen.

Die diplomierte Juristin kam nicht durch Zufall zur Polizei: „ Ich habe immer vom Beruf der Polizistin geträumt. Es ist der einzige, den ich machen wollte.“ Sie liebe die Dynamik beim Einsatz als Elitepolizistin. Auf Hatt wartet eine große Herausforderung, denn Hollande will möglichst normal weiterleben. Zum EU-Gipfel in Brüssel fuhr er kürzlich mit dem Zug, weil das schnell und günstiger ist als ein Flugzeug. Er fährt lange Strecken mit dem Auto. Der Präsident ist auch dafür bekannt, sich gern in den Straßen von Paris unters Volk zu mischen. Eine Sicherheitschefin stellt das vor Probleme.

Hatt muss auch das Team neu organisieren. Mit dabei sind wieder Spezialeinheiten der Gendarmerie, die neben dem Innen- auch dem Verteidigungsministerium unterstellt ist, nicht nur Polizisten, wie unter Sarkozy. Als Sicherheitschefin verantwortet sie auch Reisen wie kürzlich jene nach Afghanistan. Die Sicherheit schien in den ersten Wochen von Hollandes Präsidentschaft nicht sein Hauptanliegen zu sein. Er befasste sich sofort mit der Wirtschaftskrise, mit Sozialreformen, mit der Lage in Afghanistan und Syrien. Hollande hat außerdem die Zahl seiner Leibwächter von knapp 100 auf unter 60 reduziert. Er will möglichst sparsam mit dem Budget umgehen. Das reiche aus, um für die Sicherheit zu sorgen, erklärte der Élysée-Palast. Tanja Kuchenbecker

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