PORTRÄT ILAN MOR GESANDTER ISRAELS: : „Der Abschied fällt mir schwer“

Israels Gesandter in Berlin, Ilan Mor, verabschiedet sich in sein Heimatland. Mit ihm geht mehr als ein beliebter Diplomat.

Elisabeth Binder

Aller guten Dinge sind drei, das ist ein Trostwort, das der stellvertretende israelische Botschafter, Ilan Mor, dieser Tage öfter hört. Ende des Monats verabschiedet sich der beliebte und bestens vernetzte Gesandte, der akzentfrei Deutsch spricht, zum zweiten Mal aus Deutschland – und geht zurück ins Außenministerium in Jerusalem. Einer ersten Runde in der Bonner Botschaft noch vor dem Regierungsumzug folgte seit 2004 die Kür als Gesandter in Berlin. Viele Freundschaften sind in den Jahren entstanden, und die Freunde trösten auch sich selber mit der Vorstellung, dass der 54-Jährige in einigen Jahren in einer dritten Amtszeit vielleicht als Botschafter zurückkommen könnte. Viele wichtige Länder schicken ihre besten Leute zum Abschluss ihrer Karriere nach Berlin.

Immer wieder hat Ilan Mor betont, wie sehr er sich freue über die guten Beziehungen zwischen seinem Land und Deutschland. Als Karrierediplomat konnte er sein freundliches, ausgleichendes Wesen oftmals zur Glättung der Wogen einsetzen, wenn der für sein alttestamentarisches Temperament berühmte frühere Botschafter Schimon Stein mal wieder allzu donnernde Worte gefunden hatte. Auch den derzeitigen Botschafter Joram Ben-Zeev ergänzte er mit seiner Landeskenntnis vortrefflich.

Unermüdlich hat der Jazz- und Fitness-Fan in Vorträgen und Gesprächen darauf hingewiesen, dass hinter der Berichterstattung über den Nahostkonflikt oft ausgeblendet werde, was kulturell und wirtschaftlich in Israel passiere, was für ein gutes Reiseland es sei.

Der Vater von zwei Kindern hat Deutschland auch deshalb immer als spannendes Land betrachtet, weil er Antwort auf persönliche Fragen suchte. Er selbst ist in Israel geboren. Seine Eltern stammten aus Rumänien und Polen und haben den Holocaust überlebt; zahlreiche Verwandte starben in Auschwitz.

Viele Spitzenleute aus Politik, Wirtschaft und Kultur wollen zu seinem Abschiedsempfang am Dienstag kommen, Charlotte Knobloch, die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, will ebenso sprechen wie Kulturstaatssekretär André Schmitz. Ilan Mor gehörte aber nie zu jenen Diplomaten, die ihre Kontakte auf Menschen in Amt und Würden konzentrieren. Es war ihm auch wichtig, sein Israelbild Schülern zu präsentieren und sie einzuladen, das Land kennenzulernen. Für seine Freunde ist Ilan Mors private Heimat Tel Aviv demnächst sowieso um eine Attraktion reicher. Elisabeth Binder

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