PORTRÄT INGRID MATTHÄUS-MEIER : "Hört auf mit der Weichspülerei"

Ingrid Matthäus-Meier bevorzugt deutliche Worte. Die seit Tagen unter heftiger Kritik stehende Vorstandschefin der bundeseigenen KfW-Bankengruppe (früher: Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist die Letzte, die bei der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB nicht reinen Tisch machen wollte. Ob sie angemessen auf die Krise reagiert hat?

Rolf Obertreis

Als die Probleme ruchbar wurden, hat sie den besten Mann aus dem KfW-Vorstand nach Düsseldorf geschickt. Was der bei der IKB ausgraben musste, überstieg seine Vorstellungskraft genauso wie die der Juristin Matthäus-Maier: Hunderte von Verträgen, jeweils 400 Seiten lang, für jedes einzelne der höchst fragwürdigen Kreditprodukte, mit denen sich die IKB verspekuliert hatte. Jeder Vertrag versehen mit Fußnoten, die auf den hinteren Seiten die wahren Risiken im Verborgenen hielten.

Niemand hatte das kriminelle Treiben des früheren IKB-Vorstandes erahnt. Die frühere SPD-Finanzexpertin Matthäus-Maier („MM“) schon gar nicht. Zwar ist die KfW mit knapp 40 Prozent Hauptaktionärin der IKB, „MM“ saß aber nicht im Aufsichtsrat, sondern ein Vorstandskollege. Die Attacken gegen die KfW-Chefin machen der 62-Jährigen dennoch zu schaffen, auch wenn sie im Wesentlichen aus den Reihen von CDU und FDP kommen, die 2006 auch der Berufung der Sozialdemokratin an die Spitze der Staatsbank skeptisch gegenüber standen.

Seit 1999 sitzt Matthäus-Maier im Vorstand der KfW, nachdem es nichts geworden war mit dem Job als Finanzminister der Regierung von Gerhard Schröder. Seit rund eineinhalb Jahren führt „MM“ die KfW, engagiert sich für den Förderauftrag der Bank, für Kredite an den Mittelstand, für Klima- und Umweltschutz und die Hilfe für die ärmsten Länder. In Frankfurt hat sich Matthäus-Maier in der Bankergemeinde schnell Respekt erarbeitet. Als einzige Frau an der Spitze einer Großbank kann sie gut mit Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann oder Commerzbank- Chef Klaus-Peter Müller. „Man kann ihr nichts vorwerfen“, heißt es in Frankfurt.

Die IKB passe gut zur KfW, weil sie als Mittelstandsbank das Ohr am Markt habe, hat sie im Sommer vor dem Ausbruch der Krise gesagt. Jetzt würde sie die Skandalbank am liebsten sofort verkaufen und sich wieder auf die eigentliche Arbeit der KfW konzentrieren. Wenn man sie lässt – bis Herbst 2009 läuft ihr Vertrag. Vielleicht auch noch länger, wenn sie das Problem IKB bis dahin aus der Welt schafft. 

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