• PORTRÄT IOANNIS STOURNARAS GRIECHISCHER FINANZMINISTER:: „Beim Beitritt zum Euro nicht geschummelt“

PORTRÄT IOANNIS STOURNARAS GRIECHISCHER FINANZMINISTER: : „Beim Beitritt zum Euro nicht geschummelt“

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Er ist nicht unterzukriegen, gibt nicht so leicht auf. „Geht nicht“ sei etwas, das es für Ioannis Stournaras nicht gebe, sagt ein früherer Mitarbeiter. Nun wurde der 55-jährige Wirtschaftsprofessor, der in Athen und Oxford lehrte, als neuer griechischer Finanzminister vereidigt.

Auf den meisten Fotos lacht Stournaras. Der Chopin- und Sushi-Liebhaber gilt als Optimist. Aber er übernimmt einen Job, den man angesichts der Finanzlage des hoch verschuldeten Landes als „mission impossible“, als unmögliche Aufgabe, bezeichnen könnte. Stournaras bekommt keine Gnadenfrist: Schon unmittelbar nach seiner Vereidigung musste er in seinem Büro im 6. Stock des Ministeriums am Syntagmaplatz die Troika empfangen. Die Verhandlungen mit den Delegationschefs der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB), von denen die Freigabe weiterer Hilfskredite abhängt, dürften hart werden.

Stournaras hatte einst als Verhandlungsführer eine Schlüsselrolle auf dem Weg Griechenlands in die Währungsunion. Kritiker sagen, er habe daran mitgewirkt, Griechenland 1999 mit frisierten Statistiken den Euro zu erschwindeln. Ein Vorwurf, den Stournaras entschieden zurückweist: Der konservative Finanzminister Giorgos Alogoskoufis habe bei seinem Amtsantritt 2004 Rüstungsausgaben in die Jahre 1999 und 2000 zurückgebucht, um seinen eigenen Etat zu entlasten. Tatsächlich habe Griechenland beim Euro-Beitritt besser dagestanden als Italien.

Trotz der Kontroversen um den Euro-Beitritt gilt Stournaras als Top-Besetzung für das Finanzministerium. Er verbindet eine beeindruckende akademische Karriere mit reichen Managementerfahrungen in der Finanzwirtschaft. Und er bringt Ausdauer mit. Das wissen nicht zuletzt die Leute auf der Kykladeninsel Syros, wo Stournaras ein Ferienhaus hat, in dem er sich gern mit seiner Frau Lina und den Töchtern Myrto und Nefeli erholt. Vom kleinen Strand unterhalb des Hauses schwimmt Stournaras während der Ferien fast täglich hinüber zum Leuchtturm an der Südspitze der Insel – drei Kilometer hin, drei Kilometer zurück.

Dem Haus auf Syros verdankt der Langstreckenschwimmer auch eine wichtige Bekanntschaft: Vor zwei Jahren beherbergte seine französische Nachbarin Claudine einen Gast aus Paris, Francois. Man freundete sich an. Heute ist jener Francois französischer Präsident und Claudine eine seiner engen Mitarbeiterinnen. Gerd Höhler

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