PORTRÄT IVETA RADICOVA WAHLSIEGERIN SLOWAKEI: : „Die Slowakei braucht einen Neustart“

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Bis zur letzten Minute hat Iveta Radicova gekämpft: Selbst als sie im Wahllokal ihre Stimme abgab, wiederholte sie ihre Botschaft vom Wechsel, den die Slowakei so dringend benötige. Zu dem Zeitpunkt sah es noch nicht so aus, als würde die 53-Jährige selbst dazu die Chance bekommen – ihre konservative Demokratische Union (SDKU-DS) lag in den Umfragen in einem historischen Tief, Beobachter prophezeiten der Spitzenkandidatin vier weitere Jahre in der Opposition.

Dass Iveta Radicova in Bratislava vermutlich neue Premierministerin wird, ist eine kleine Sensation: In der Region ist sie die erste Frau, die ein solches Spitzenamt bekleidet – und politisch bedeutet ihre Wahl für die Slowakei eine radikale Neuorientierung. Nachdem vier Jahre lang der Linkspopulist Robert Fico an der Macht war, dürfte Radicova jetzt mit ihren Koalitionspartnern einen wirtschaftsliberalen Kurs einschlagen. „Die stärkste Sozialpolitik ist es, wenn die Menschen von ihrem eigenen Einkommen leben können“, hat sie verkündet. Mit diesem Credo umreißt sie das drängendste Problem des Landes: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, in manchen Regionen liegt sie bei über 30 Prozent. Beobachter gehen davon aus, dass das Land mit einer wirtschaftsliberalen Regierung bei den Investoren viel Vertrauen gewinnt.

Iveta Radicova verkörpert einen neuen Typus Politiker in der mitteleuropäischen Region. Erst spät kam sie in die Politik, zuvor hatte sie an der Universität Bratislava eine Soziologieprofessur. Studiert hat Radicova in der Slowakei und ist dann gleich nach der Wende nach Oxford gegangen. Dass sie nicht in die alten Machtseilschaften verstrickt ist, rechnen ihr viele Slowaken hoch an. Ins Scheinwerferlicht ist sie zum ersten Mal getreten, als sie vor einem Jahr bei der Wahl zur Staatspräsidentin antrat. Als Oppositionskandidatin unterlag sie damals nur knapp.

Viele Slowaken trauen Radicova zu, als Premierministerin das Ruder herumzureißen. Sie könnte es schaffen, zwei bislang unvereinbar scheinende Ziele zu verbinden: Einerseits muss ihre Regierung den Haushalt sanieren und einen harten Sparkurs einschlagen. Gleichzeitig aber genießt Radicova auch unter den sozial Schwachen einen guten Ruf – und an deren mangelnder Unterstützung sind in der Vergangenheit die ambitionierten Reformprojekte gescheitert. Beobachter trauen ihr zu, die nötigen Reformen umzusetzen, ohne soziale Kontroversen heraufzubeschwören. Kilian Kirchgeßner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben